Ämter verlieren Monopol

Ab dem kommenden Sommer brauchen Arbeitisuchende nicht mehr zum Arbeitsamt gehen, wenn sie einen neuen Job suchen. Am Donnerstag beschloß der Bundestag mit den Stimmen der Regierungskoalition ein neues Beschaftigungsförderungsgesetz, das auch private Arbeitsvermittlung erlauben soll. Damit verlieren die Arbeitsämter ihre bisherige ausschließllche Zuständigkeit in diesem Bereich.

Nur in Ausnahmefällen wie Kunstlerdiensten oder bei Zeitarbeitsfirmen waren bislang Genehmigungen für private Arbeitsvermittlung erteilt worden. Der B~undestagsbeschluß muß zwar noch vom Bundesrat und möglicherweise im Vermittlungsausschuß behandelt werden, doch mit dem Inkrafttreten der neuen Regelung sei noch Mitte des Jahres zu rechnen, so die Einschätzung des Bundesarbeitsministeriums.

Ohne Probephase

„Wir fürchten private Arbeitsvermittler nicht“, erklärte derweil Peter Hielscher vom Landesarbeitsamt Berlin-Brandenburg auf Anfrage. Schließlich habe man die größte Vermittlungserfahrung und Spezialisten für die einzelnen Berufsgruppen. Allerdings: Wer Arbeit sucht und noch eine Stelle hat, kann diese Dienstleistung nicht in Anspruch nehmen.

Eigentlich hatte sich das Landesarbeitsamt bereits auf ein Pllotprojekt eingestellt. Ursprünglich sollten ab Anfang April im Berliner Raum erst einmal die Auswirkungen der geplanten Regelung getestet werden, bevor die Bestimmungen in ein Gesetz übernommen werden. Doch auf die Pllotphase wurde verzichtet. „Die Bonner Koalitionspartner haben sich eben anders entschieden“, so die lapldare Stellungnahme aus dem Arbeitsministerium.

Das neue Gesetz sieht nun vor, daß Arbeltssuchende sich auch an die privaten Makler wenden dürfen. Dafür zahlen sie nichts; Geld verdient der Vermittler durch Gebühren, die der Auftraggeber, also der zukünftige Arbeitgeber, entrichten muß. Auch in Lohn und Brot stehende Arbeitnehmer könnten, z. B. auf der Suche nach einer besseren Anstellung oder bei einem geplanten Umzug in eine andere Region, solche Dienste in Anspruch nehmen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DG befürchtet mit der neuen Regelung Diskriminierungen von Frauen, älteren und weniger qualifizierten sowie gesundheitlich beeinträchtigten Arbeitssuchenden. Nach Erfahrungen im Ausland sei zu beweifeln, daß gewerbsmäßige Vermittler sich „im nennenswerten Umfang um benachteiligte Personengruppen bemühen“, so der DGB-Landesverband Berlin-Brandenburg in einer Presseerklärung.

Die Vereinigung der Unternehmensverbände (UVbegrüßte dagegen die Aufhebung des staatlichen Vermittlungsmonopols. Private Agenturen seien keine Alternative zu Arbeitsämtem, sondern eine Ergänzung und könnten schneller und flexibler auf die Angebots- und Nachfrageseite reagieren. Zudem könnten sich die privaten Vermittler auf regionale und berufliche Teilarbeitsmärkte, also beispielsweise auf bestimmte Branchen oder Berufsgruppen, spezialisieren. Dies führe, so der UVB, auch zu einer stärkeren Effizienz in den zuständigen Abteilungen der Arbeitsämter.

Die möchte auch der DGB verbessert wissen und schlägt anstelle privater Arbeltsvermittler „eine deutliche Kundenorsentierung sowie eine angemessene Personalausstattung“ vor. Tatsächlich wird das neue Gesetz keine Auswirkungen auf den Personalbestand der Arbeitsämter haben. Der Vermittlungsbereich habe sowieso bundesweit zu wenig Plankräfte, nunmehr möglicherweise überflüssige Mitarbeiter würden in die Leistungsabteilungen in die Berufsberatung versetzt, so Peter Hilscher.

Bereits viele Anträge Ob tatsächlich das Arbeitsamt weniger in Anspruch genommen wird, ist allerdings fraglich. Denn schon heute werden mehr als zwei Drittel aller Stellen über direkte Bewerbungen, eigene Anzeigen oder persönliche Kontakte besetzt. Oder auch über den Personalberater: „I)ie Headhunter“ tummelten sich allerdings eher in den höheren Gehaltsgruppen. Und sie beraten auch nur und schlagen mögliche Kandidaten vor, dies zudem immer im Auftrag der künftigen Arbeitgeber — von denen sie denn auch recht üppig bezahlt werden.

Chancen für die schnelle Mark auch für zukünftig nach dem neuen Gesetz zugelassenen private Vermittler? Nach Informationen des DGB haben allein in Berlin und Brandenburg rund 110 Unternehmen und Einzelpersonen einen Antrag auf Zulassung gestellt. Auch nach Einschätzungen des Arbeitsamtes wird es „starke Fluktuationen auf dem Markt“ der Vermittler geben. Dabei bleibt die Frage nach der „Ware“, der erfolgreichen Vermittlung. Denn mehr Arbeitsplätze wird es durch die privaten Agenturen nicht geben.