Kinder auf Spurensuche im Archäologie-Museum

Wenn der Oma oder der Opa gerne Geschichten erzählen, dann erfahren wir viel von dem, was sie früher erlebt haben. Manche Menschen schreiben in Briefen oder Büchern auf, was sie so gemacht haben und wie das Leben früher oder in anderen Länder war. Doch wie erfährt man etwas über die Menschen, die vor ganz langer Zeit gelebt haben als es weder Briefe noch Bücher gab? Man schaut sich das an, was sie hinterlassen haben: Scherben zum Beispiel, zusammengefallene Hausmauern oder die eigenen Knochen. Die liegen meisten unter der Erde. Forscher, die solche Dinge ausgraben und untersuchen, heißen Archäologen. In einem Museum in Herne in Nordrhein-Westfalen können Kinder lernen, wie Archäologen arbeiten. 

Auf einem Acker fing alles an: „Es war so ein Bauer, da hat er sein Feld gepflegt und da hat er Totenköpfe, Zähne und Knochen gefunden. Da hat er die Archäologen zu Hilfe gerufen.“

Und die fingen vorsichtig an zu graben. „Die haben erst die Kelle da genommen. Die haben mit ganz kleinen Eisen und Hammern angefangen und dann haben sie Pinsel genommen.“ Was sie gefunden haben, ist so etwas wie ein Buch, das die Menschen hinterlassen haben. Kein richtiges Buch, mit Buchstaben und Sätzen, sondern eher eins mit versteckten Botschaften: Wie die Menschen vor ein paar tausend Jahren gelebt haben; das erzählen nämlich die Überbleibsel, die der Bauer in der Erde gefunden hat, also die Knochen, Steine und Scherben.

Ein Essgeschirr zum Beispiel, das zerbrochen ist, und jetzt in der Erde liegt. Manchmal werden solche Sachen zufällig gefunden. Archäologen können aber auch ganz gezielt graben. Doch wie wissen sie, wo man nach solchen verschwundenen Dingen suchen soll? Sie schauen sich Fotos an, und zwar solche, die von einem Flugzeug aus aufgenommen wurden, wo man also von oben auf die Erde schaut. Auf Dias sind zum Beispiel die Felder von Bauern zu sehen

„Das erkennt man nicht genau, aber das sind so komische Splitter. „

„Es sieh aus, als würde da ein Haus gebaut. Da war bestimmt ein Haus, weil das sieht so aus wie die Form von ’nem Haus.“

Getreide baut der Bauer an, doch, und das ist auf den Luftbildern genau zu sehen, an einigen Stellen gibt es auf dem Feld ungewöhnlich gerade Streifen – als ob dort einmal Mauern von einem Haus gestanden haben. Tatsächlich: Immer dort, wo unter der Erde noch Überbleibsel der Mauer sind, trocknet der Boden schneller aus, das Getreide oder andere Pflanzen wachsen nicht so gut – und das sieht man an der hellen Farbe auf den Bildern.

Genau dort graben dann die Archäologen. Denn sie können sicher sein, dass an dieser Stelle einmal Menschen gewohnt haben. Nicht nur deren zerbrochene Löffel und Messer finden sie, sondern auch Skelette von einem alten Friedhof.

„Nicht so ein Friedhof, wie wir jetzt haben mit so vielen einzelnen Gräben, sondern, wo auch manchmal die leute weggeschubst wurden um für ein neues Totenmännchen Platz zu machen.“

Deswegen gibt in solchen Gräbern auch Skelette von vielen verschiedenen Menschen.

„Das ist ein Schädel… da sind auch noch Löcher im Kopf drin;
irgendwie mit der Axt reingeschlagen. Vielleicht wurden die auch nur so gefunden, weil heile findet die man bestimmt nicht…Menschenschädel…. das sieht ekelig aus…“

Die Knochen verraten den Archäologen viel, zum Beispiel, ob die Menschen damals gesund waren.

„Ich schätze mal , dass der ein Zahnproblem hatte.“

„Dieser Mann oder diese Frau hat auch ne starke Kopfverletzung.“

Und was kann noch erkennen?

„Vielleicht das Alter.“

Genau – Kinder und Jugendliche haben kleinere Knochen als Erwachsene.

„Kinderknochen sind auch ein bißchen biegsamer noch, weicher…“

Mit den Knochen läßt sich auch ausrechnen, wie groß die Menschen damals waren. Zum Beispiel mit einem Schienbeinknochen. Der wird an ein Maßband gehalten..

„Die ist genau 34 Zentimer, ne 44 Zentimeter groß.“

Sprecher
Und wer solche Schienbeinknochen hatte, war nicht gerade besonders groß…

„159 zentimeter … klein….“

Die Archäologen finden nicht nur Knochen, sondern auch Haushaltsgegenstände – zum Beispiel Feuersteine. Streichhölzer und Feuerzeuge hatten die Menschen vor 5000 Jahren nämlich noch nicht, deswegen haben sie besonders harte Steine aneinandergeschlagen, haben damit Funken erzeugt und mit diesen Funken Heu oder Reisig angezündet.

Doch die Feuersteine zum Funkenschlagen gab es nicht überall. Dort, wo der Bauer die alte Siedlung unter seinem Acker entdeckt hatte, jedenfalls nicht. Wie ist der Feuerstein dorthin gekommen?

„Man könnte die auch mit der Hand tragen, sind doch so klein.“

Zum Feuermachen wurde der Stein zerkleinert , eigentlich ist er riesengroß – er mußte also ziemlich mühselig transportiert werden.

„Vielleicht wurden die mir kleinen LKW‘s herhergebracht — okay, gab’s noch gar nicht …“

Die wurden mit ner Kutsche hier her gebracht

Die gab‘s vor 5000 Jahren auch noch nicht….

Vielleicht mit nem langen Stil und den Stein dann umwickelt und den dann gezogen…

Nicht ganz. …aber so ähnlich..

Vielleicht mehrere Männer, vielleicht haben die so Holzbalken darunter getan und dann immmer so von hinten nach vorne … da drauf gezogen….

So war es – das haben die Archäologen nämlich herausgefunden: zehn, 20 oder noch mehr runde Baumstämme wurden hintereinandergelegt, der schwere Stein kam oben drauf, dann ging es langsam vorwärts. Von hinten wurde geschoben, der Stein rollte oben auf den Baumstämmen.

„Dann müssen immer irgendwelche anderen leute die Hölzer da dran tun.“

Langsam, sehr langsam ging es dann vorwärts. Von hinten wurde ein Stamm weggenommen, und vorne vor den Stein gelegt, dann wieder geschoben, wieder ein Stamm weggenommen, vorne hingelegt und so weiter. Monate brauchten die Stein-Transporteure, bis sie die Steine dort hingebracht hatten, wo sie vor ein paar Jahren zufällig gefunden wurden, zusammen mit dem Rest der alten Siedlung. Woanders liegen bestimmt auch noch alte Sachen im Boden – Knochen, Scherben, Feuersteine. Vielleicht nicht nur beim Bauern auf dem Feld, sondern auch bei im Garten:

„Bei uns im Garten hat mein Vater ja schon ziemlich oft umgegraben, ist da ziemlich oft mit dem Mäher drünber gefahren. Gestern abend hat er zum Beispiel den Rasen gemäht, hat er nichts gefunden… und dass so was bei uns auf dem Fußboden rumliegt, glaube ich eher nicht.“