Bauernopfer für die Euro-Bank

Wegen des von der EU kurzerhand verordneten Umzugs des Berliner ,luroplischen Zentrums für die Förderung der Serufsblidung (CEDEFOP) nach Thessaloniki wollen dessen Mitarbeiter jetzt mögllcherweise vor Gericht ziehen.

Das Bauernopfer war schnell gefunden: Kurz nachdem die Regierungschefs der Europäischen Union die Einrichtung einer europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main bekanntgaben, hatten sie auch schon einen Ausgleich parat. Schließlich gibt es in Berlin noch das CEDEFOP, ein Europa-Institut der ersten Generation und seit seiner Gründung vor 18 Jahren an der Spree beheimatet.

Mit den Eu-Bankern hätte Deutschland nun zwei EU-Einrichtungen gehabt Griechenland dagegen war leer ausgegangen. Nichts lag den Politikern offenbar näher, als einen kleinen Umzug zu veranstalten — von Berlin nach Thessaloniki.

Eine Entscheidung, die „in Brüssel wohl zwischen Suppe und Hauptgericht“ gefallen sein muß, so Norbert Wolischläger, Sprecher der CEDEPOP-Angestellten. Rechtsanwalt Dieter Rogalla, der außerdem SPD-Vertreter im Europäischen Parlament ist, wurde jetzt von den Institutsmltarbeitern mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt. Notfalls wallen sie gegen neue, schlechtere Vertragsbedingungen vor den Europäischen Gerichtshof ziehen.

Erst aus der Zeitung hatten die Mitarbeiter Ende Oktober von den auf rund 70 Millionen Mark veranschlagten Umzugsplänen erfahren, Dabei hat das Personal grundsätzlich keine Einwände gegen einen Umzug. Doch die aus beinahe allen EU-Staaten stammenden 76 Mitarbeiter wollen zumindest keine Verschlechterung Ihrer Arbeitsverträge.

Die GEDEFOF-Bediensteten sollen nämlich an ihrem griechischen Standort dann den Mitarbeitern anderer, neuer EU~Elnrichtuflgefl gleichgestellt sein, mit schlechteren Vertragsbedingungen als bisher. Keine unbefristeten Arbeitsverhältnisse mehr, sondern „überwiegend zweijährige Zeitverträge, mit der Möglichkeit einer einjährigen Verlängerung“, mutmaßt Wolischläger.

Weiterer Einwand: Nicht alle Mitarbeiter können so schnell dem EU-Umzugstempo folgen. Denn bereits im Oktober könnten die Möbelpakker vor der Tür stehen, so erste Planungen. Gespräche mit den Brüsseler Vorgesetzten haben bislang ri~Ch nicht stattgefunden. Dieter Rosalie: „Es wird Zelt, daß der zuständige EU-Kommissar einmal in Berlin auftaucht, um den Leuten im Haus den Stand der Dinge zu erklären.“

[Stand: November 1994]