Mattias erinnert sich an seine ersten Begegnung mit der Welt der Akrobaten: „Ich bin auf einen großen Gummiball geklettert und konnte sofort balancieren.“ Alle waren verblüfft, und Mattias war begeistert. Damals war er acht Jahre alt. Heute, sechs Jahre später, ist Mattias schon ein ausgebuffter Zirkus-Profí. Kein Wunder: Jonglieren und Balancieren übt Mattias seit Jahren, fuhr zunächst vier Mal, jetzt nur noch zwei Mal die Woche aus Zeuthen, einem Vorort von Berlin, nach Kreuzberg. Dort steht der Zirkus Cabuwazi. Das bedeutet „chaotisch bunter Wanderzirkus“.

Chaotisch und bunt

Cabuwazi ist ein Zirkus zum Mitmachen, für Kinder und Jugendliche von zehn bis 18 Jahre. Einige wie Mattias sind schon seit Jahren dabei, andere erst seit ein paar Wochen. Zum Beispiel Elke. Sie ist 13 Jahre alt und wohnt genau gegenüber vom Zirkus Cabuwazi. Irgendwann war sie mal ganz mutig und hat sich vorgestellt – und durfte sofort mitmachen. „Bei der großen Aufführung vor Publikum habe ich Rollen vorgeführt“, erzählt sie. Das ist eine ganz einfache Turnübung. Doch das macht nichts: Alle Kinder üben das ein, was sie beherrschen, und zwar für vier oder fünf neue Programme im Jahr. „Vor Publikum auftreten ist das Größte“, schwärmt Mattias. Er ist zu einem richtigen Showstar geworden, mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder als Assistenten. „Rola-Rola“ heißt das Kunststück, das beide im Herbstprogramm von Cabuwazi vorführen: Ein Brett, darunter eine zylinderförmige Rolle aus Metall – auf dem Brett steht Mattias und balanciert. Das ganze nicht auf dem Boden, sondern auf einem stabilen Tisch. Tilo reicht nach und nach weitere Bretterregale an, die aus zwei oder drei Etagen bestehen. Mattias balanciert auf den Brettern, und zum Schluß klettert Tilo auf seine Schultern „Wir können auch noch andere Kunststücke“, sagen die beiden stolz. Sie finden es toll, mit den anderen Freizeit-Zirkuskindern zu üben. „Das macht Spaß, wenn man nach und nach immer besser wird.“

Elke fängt mit dem Trapez an

Neuling Elke will auch noch einiges lernen. Das Trapez fasziniert sie. „Aber zunächst einmal will ich einen Überzieher machen können“, sagt sie: Zwei Kinder stehen Rücken an Rücken, haken sich an den Armen ein. Dann zieht der eine den anderen so weit nach oben, dass er über den Rücken nach vorne gehebelt wird. „Das bringen wir dir bei“, sagt Berna. „Das ist ganz einfach“, ergänzt Layla. Die beiden 14jährigen Freundinnen haben zugehört, was Elke gesagt hat und zeigen ihr sofort, wie die Übung geht. Beide sind ebenfalls seit Jahren begeisterte Zirkusartisten. Layla hat bereits als Kind angefangen, zu Jonglieren und Akrobatik-Kunststücke zu üben. Deswegen ist sie ganz schön fit und macht mittlerweile auch eine Ausbildung an einer besonderen Artistenschule. Doch dem Mitmachzirkus cabuwazi ist sie treu geblieben. „Ich zeigen dort den anderen immer die neuen Übungen, die ich an meiner Schule gelernt habe“, sagt Layla. Zum Beispiel ihrer Freundin Berna. Die kann in ihrer ganz normalen Schule im Sportunterricht dann glänzen: „Beim Bodenturnen bin ich schonb etwas geschickter und gelenkiger als die anderen“, sagte sie. „Das kommt von den vielen Zirkusübungen.“ Und wenn sie in den anderen Schulfächern mal wieder Stress hat, die Klassenkameraden oder die Eltern nerven: „Dann gehe ich in den Zirkus Cabuwazi. In der Manege kann ich mich prima abreagieren.“

[Stand: II/2004]