Berufe in der Reisebranche – das hört sich nach Servicekraft, Koch und Kellner an, nach Saisonkräften und Anlern-Jobs. Doch das ist bei weitem nicht alles. Auch gut ausgebildete Fachkräfte sind im Tourismus beschäftigt. Manche werden dort gar nicht vermutet.

Kim Ammermann (18) wird Kauffrau für Tourismus und Freizeit

Kim mag Menschen. Das ist wohl die erste Voraussetzung für ihren Job. Sie steht an der Rezeption, vermittelt Gästen den ersten Eindruck von ihrer Ferienunterkunft. Kim lernt Kauffrau für Tourismus und Freizeit – in einer Jugendherberge.


Kim Ammermann

Kim hilft beim Check-In, wenn neue Gäste kommen, verleiht Fahrräder und verkauft Snacks. Und das in zwei Schichten: Tagsüber von sieben bis halb vier oder von zwei bis halb elf. Zusätzlich muss sie an jedem zweiten Wochenende ran. „Aber nicht öfters”, sagt sie. Als Azubi ist sie zwei Tage in der Woche auch noch in der Berufsschule.

Eigentlich wollte Kim in einem Reisebüro arbeiten, um Kunden zu beraten und Reisen zu verkaufen. Im Urlaub selbst hätte sie die Kunden gar nicht erlebt, so wie an jetzt in der Jugendherberge. Das gefällt ihr ziemlich gut. „Mir macht es Spaß, den Gästen Sachen zu erklären und ihnen zu helfen”, sagt sie. Im Sommer ist dabei viel zu tun: 380 Betten hat die Jugendherberge, und die sind dann auch ausgebucht. Besonderen Spaß macht es Kim, mit den Kindern der Gäste was zu unternehmen, Basteln zum Beispiel und im Sommer natürlich Schwimmen. Das machen ansonsten auch Freiwillige, die für ein Soziales Jahr in der Jugendherberge. Aber die Aufgaben der etwa 50 Mitarbeiter überlappen sich öfters schon mal: Manchmal hilft sie auch beim Tischdecken oder im Service, beim Spülen. „Das mag ich nicht so”, sagt sie. Aber gemacht werden muss es ja.

Andreas Damson (49), der Self-Made-Abenteurer-Reiseveranstalter

Jobben und Reisen, das wollte Andreas Damson schon immer. An der Uni hatte er sich dazu bereits auch schon die passenden Fächer ausgesucht: Ethnologie und Geographie.

Andreas DamsonIn den Semesterferien war er ständig unterwegs, nicht nur privat: Als Reiseleiter heuerte er bei kleineren Veranstaltern an. Bereits damals schwebt ihm vor, später dann, mit dem Magister in der Tasche, seinen Berufsweg ähnlich zu gestalten. Und es gelang. Drei Jahre gejobbt, für fünf verschiedene Reiseveranstalter, auf vier Kontinenten. Allerdings: Ein Aussteiger-Typ wollte er nie sein. Und er kannte die Fallen des Gewerbes: „Als Reiseleiter zu jobben ist maximal drei Jahre förderlich.“ Danach sei es eine Sackgasse, aus der man nicht mehr rauskomme. Dennoch: Die Zeit als Reiseleiter sei für ihn wertvoll gewesen, sagt er. Er habe Gelegenheit gehabt, Selbstbewusstsein, Rhetorik- und Führungsqualitäten entwickeln.

Irgendwann einmal war Damson angestellt, organisierte Wanderstudienreisen, war Trainee der Geschäftsführung, später sieben Jahre Abteilungsleiter, für die Ausbildung und Rekrutierung von 180 Reiseleitern zuständig.

Zusammen mit einer Geschäftspartnerin hat er mittlerweile eine Firma gegründet, die unter anderem Erlebnisreisen und spezielle Persönlichkeitsschulungen bei ihren Reisen anbieten. Zudem bilden sie selbst Reiseleiter aus, auch für andere Veranstalter. Und sie machen Seminare für Existenzgründer in der Reisebranche.

Bei den Reisen geht es zum Beispiel um einen Trip nach Kolumbien, um dort Bauen mit Lehmziegeln in Kolumbien – für viele Schreibtischarbeiter offenbar eine willkommene Abwechslung, eine Fernreise mit handwerklichen Tätigkeiten zu verbinden und dabei einheimischen Projekten zu unterstützen. Mehr als 2500 solcher Spezialreise-Veranstalter gebe es etwa, schätzt Damson., doch die machten nur fünf Prozent der Angebote in der Branche aus. Ein echter Nischenmarkt, mit ständigem Existenzkampf. Doch was ihn nach all den Jahren immer noch reizt: „Die sehr hohe Selbstverwirklichungsquote.”

Johannes Hebbelmann macht sich mit einer Tourismus-App selbständig

Es fing ganz bodenständig an: In Papenburg in Ostfriesland. Bei der dortigen Tourismus-GmbH machte Johannes Hebbelmann eine Ausbildung zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit.

Johannes HebbelmannEine gute Schule der Grundlagen, direkt im Kontakt mit dem Kunden, erinnert er sich. Doch Hebbelmann wollte ins Management und dafür studieren: Um die Ecke, in Bremen, schriebt sich für den „Internationalen Studiengang Tourismusmanagement“ ein. Seit 2013 hat er den Bachelor. Jetzt ist er im Management, allerdings dem seiner eigener Start-Up-Firma: Er will eine Tourismus-App vermarkten, die ein Buchungsportal mit einem Social-Media-Portal vereint.

Die Idee hatte er bereits während des Studiums, während eines Praktikums in Chile in einem IT-Unternehmen. Dort war er über persönliche Kontakte hingekommen. Warum Reiseplanungen, Buchungen und Beurteilungen von Reisezielen auf unterschiedlichen Internetplattformen verstreut sind und sich Reisende dafür ständig durchs Netz klicken sollen, hat ihn geärgert. Zusammen mit Freunden entwickelte er das Konzept für eine „Social Travel Agency“: Neben dem Reiseplaner verbindet die App eine Bewertungsplattform, ein soziales Netzwerk und ein Online-Reisebüro. Geld für den Anfang hat er sich von Eltern, Freunden, Verwandten geliehen. Die Kapitalsuche bei großen Finanziers steht derzeit an.

Das Unternehmen hat zwar bei einem Notar in Luzern in der Schweiz seinen offiziellen Sitz, doch ein gutes Dutzend Leute aus der halben Welt arbeitet mit. Per Video-Chat, auch nach Chile, werden Pläne und Vorhaben besprochen. „Erfolg ist, wenn die App vom Kunden akzeptiert wird“, sagt Hebbelmann im schönen PR-Sprech. Auf jeden Fall, und das klingt aufrichtig, „lebe ich meinen eigenen Traum“.

Marion Ammermann (48) ist die Physio-Animateurin

Die gelernte Hochfachfrau gehörte jahrelang zur Tourismuskarawane: Im Sommer hat sie an der Nordsee gearbeitet, im Winter in den Bergen, in St. Moritz. Oder auch mal auf Korsika. Da, wo wie Gäste buchten.

Marion AmmermannMit Mitte 20 dann das Aus: Die Halswirbelsäule machte nicht mehr mit, Marion Ammermann musste in die „Reha“. Und viel Sport machen. Das machte sie gründlich, nicht nur für ihre Gesundheit, sondern auch für ihre berufliche Zukunft.

Mittlerweile hat sie als Trainerin so ziemlich alle Lizenzen für den Reha-Sport erworben, die es gibt: Fitness-Kurse, Nordic Walking, Aquawalking, Präventionskurse für Herzpatienten. Zehn Jahr war sie „Sportbeauftragte“ in der Kurverwaltung, mittlerweile leitet sie das Animationsteam in einer Jugendherberge. „Meine Leidenschaft ist der Sport geworden“, sagt sie. Auch, wenn sie sich als Animateurin um mehr Dinge kümmern muss: Fahrradtouren, Ortsführungen, Kanutrips. Etwa zehn Mitarbeiter leitet sie an, koordiniert die Arbeit, kümmert sich um Gäste. Oft sind es Familien und Schulklassen, aber auch Besucher, die seit Jahrzehnten in Jugendherbergen übernachten und jetzt einmal eine ausprobieren wollen, die sich „Resort“ nennt und es mit Club-Urlauber aufnehmen will: Gästen, die es gewöhnt sind, ein Programm geboten zu bekommen. In der Hochsaison im Sommer ist dabei an eigene Freizeit kaum zu denken. „Das geht dann sieben Tage die Woche, bis spät abends“, sagt sie. Mit einem reinen Bürojob will sie trotzdem nicht tauschen. „Ich kenne es nicht anders.“ Und Tochter Kim ist mittlerweile auch mit von der Partie: Sie steht an der Rezeption.

Benjamin Weller (27) – der IT-Mann im Hintergrund

Eigentlich hatte es Benjamin Weller gar nicht für möglich gehalten, dass ein Reiseveranstalter ausgewiesene IT-Fachleute beschäftigt. Nach dem Abitur hatte er sich zunächst bei einem anderen Unternehmen beworben, war dort wegen seines eher durchschnittlichen Abiturs aber nicht genommen worden. Ein Kumpel empfahl die Bewerbung beim großen Reiseveranstalter. Innerhalb weniger Tage hatte er eine Einladung zum „Assesment Center“, und kurz darauf die Zusage zum dualen Studium der Wirtschaftsinformatik: Jeweils drei Monate im Unternehmen und drei Monate an der Hochschule in Mannheim. Mittlerweile ist Weller 27 und IT-Projektleiter. „Ich kalkuliere den personellen und zeitlichen Aufwand und berechne, wie viel ein Vorhabent kostet“, sagt er. Derzeit kümmert er sich um Gutscheine, mit der Reiseveranstalter gerne Kunden binden möchte. Da hört sich erst mal einfach an. Doch jenseits von Standard-Pauschalreisen ergeben sich „Millionen von Kombinationen“, sagt Weller, deren Auswirkungen sowohl auf das Budget als auch die Umsetzbarkeit bedacht werden müssen.

Als Projektleiter ist er die Schnittstelle zwischen der Fachbereich, in diesem Fall der Marketingabteilung, und den Software-Entwicklern. Der Wirtschaftsinformatiker kennt beide Welten. Er kann den Zeitaufwand fürs Programmieren einschätzen, auf der anderen Seite bewerten, welche Wünsche der unternehmensinternen Auftraggeber für ein Projekt mit welchem Aufwand verwirklicht werden kann.

Als Wirtschaftsinformatiker ist Weller ist er zwar zuversichtlich, auch in anderen Bereichen schnell einen Job zu bekommen. Doch er sei mittlerweile „ein kleiner Experte im Tourismusumfeld“. Da möchte er auch bleiben. Wie er seine Zukunft sieht: „Mehr Verantwortung übernehmen, Teamleiter werden.“

Ausbildungen:

Die Arbeitsagentur Fürth hat eine pdf zum „Berufsfeld Tourismus“ zusammengestellt.

Tourismusstudiengänge (Datenbanken der Bundesagentur für Arbeit):

Berufenet

Kursnet

Lehre (Berufenet der Arbeitsagentur):

Kaufmann/-frau Tourismus und Freizeit

Hotelfachmann/-frau

Reha-Kurse bzw. Präventions-Kurse des Sportbundes

Die Landessportbunde Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bieten Kurse für Übungsleiter an.