Auch Mieter können an der Solarstromeinspeisung verdienen. Und Hausbesitzer, deren Gebäude im Schatten steht. Immer mehr gründen Bürgersolaranlagen. Eine eigene Immobilie ist dafür nicht notwendig. Doch eine solche Strom-Gesellschaft ist nicht ohne Risiko.

Stromanteile gingen weg wie geschnitten Brot

Die kleine Pressenotiz der Gemeinde Burbach schlug ein wie ein Supersonderangebot eines Lebensmitteldiscounters. „Morgens stand in der Zeitung, dass wir Anteile an einer Bürgersolaranlage verkaufen, mittags waren alle weg“, erinnert sich Johannes Werthenbach von der Verwaltung der Gemeinde im südlichen Siegerland. Das war vor einem halben Jahr. Ein zweites Dach musste her, um der heftigen Nachfrage gerecht zu werden. Mittlerweile wird auf Dach eines Kindergartens und des benachbarten Feuerwehrhauses Sonnenenergie eingefangen und ins öffentliche Stromnetz eingespeist. In zwei Dutzend Haushalten in der Umgebung könnte damit Licht erzeugt, gekocht und zum Beispiel der Fernseher betrieben werden. Theoretisch – denn die Bürger verkaufen den Strom nicht direkt an die Nachbarn, sondern erhalten Geld vom Energieversorger, gesetzlich verbürgt, 20 Jahre lang. Etwa fünf Prozent Rendite springt dabei heraus. „Auf den möglichen Gewinn habe ich gar nicht geschaut“, sagt Dieter Gläser, der sich mit tausend Euro beteiligt hat. „Ich wollte nicht immer nur über alternative Energien reden, sondern auch etwas tun.“ Und das eigene Hausdach sei dafür nicht geeignet.

Idealisten, Rendite-Jäger und Grassroots-Kraftwerker

Gläser ist ein typischer Fall, sagt Kathrin Gehles von der Energieagentur NRW – ein Idealist, der sich an der Energiewende beteiligen will. Und dann gibt es noch die anderen, die mehr aufs Geld achten. Hartmut Heinz zum Beispiel – er ist mit 5000 Euro an der Burbacher Solaranlage beteiligt. „Ich rechen mit Rendite und natürlich mit der Rückzahlung der 5000 Euro nach 20 Jahren“, sagt er. Das wäre der Normalfall, doch es kann auch etwas dazwischen kommen. Denn die Burbacher Bürger haben sich zu einer GbR, einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, zusammengeschlossen. Die ist sehr beliebt, denn sie erfordert wenig Verwaltungsaufwand. Aber alle Gesellschafter haften mit ihrem Privatvermögen. Kathrin Gehles: „Man geht da persönlich ein hohes Risiko ein.“ Wenn die Rücklagen für Reparaturen nicht ausreichen, Solarmodule ausgetauscht werden müssen, Hersteller für Garantieleistungen nicht mehr greifbar sind, müssen die Gesellschafter Geld nachschiessen. Deswegen empfiehlt die Energieagentur NRW, solche Bürgersolaranlagen vertraglich gut vorzubereiten und Risiken so weit wie möglich auszuschliessen. Und einen erfahrenen Handwerker für die Installation auszusuchen.

Ausstieg meist nur gegen Nachfolger

Heikel kann es auch werden, wenn Anteilseigner vorzeitig aussteigen wollen. „Eine Beteiligung an einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist nicht wie ein Sparbrief, den man einfach kündigen kann“, sagt Kathrin Gehles. Denn die Firma muss auf jeden Fall weiter arbeiten können. Dafür wird das Geld aus den Anteilen benötigt. Am einfachsten gelingt deswegen der Ausstieg, wenn ein Nachfolger präsentiert wird. Eindeutiger geregelt ist dies bei Genossenschaften und GmbHs – Rechtsformen, die die Energieagentur auch bei Bürgersolaranlagen empfiehlt, bei denen es um größere Werte von mehreren hunderttausend Euro geht. Die Anteilseigner haften nämlich in deutlich geringerem Umfang.

Dächer gesucht


Trotz aller Risiken: Die Energieagentur NRW wünscht sich mehr Bürgersolaranlagen und berät bei der Einrichtung der Anlagen. „Viele Bürger wollen aktiv werden und besitzen mit der Solaranlage ihr eigenes Kraftwerk in ihrem Ort oder Stadtteil und nicht irgendwelche Anteile an einem anonymen Aktienfonds“, sagt Kathrin Gehles. Derzeit gebe zu wenige Dächer für die vielen Interessenten. Das ist ein Problem. Denn wenn kein kommunales Gebäude zur Verfügung steht und die Bürger ein Dach privat pachten müssen, könnte es teuer werden. Und die Rendite sinkt – da dürften irgendwann nur noch die heftigsten Idealisten am Ball bleiben.