Sprichworte und Redewendungen – wir benutzen sie täglich. Doch woher kommen sie eigentlich? Darüber kann man sich auf der Burg Altena informieren.

Viele Redewendungen stammen aus längst vergangenen Tagen. Damals ging es – anders als heute – oft um ernste Dinge. Ein Beispiel: Wenn jemand türmen geht, bedeutet das: Er rennt vor jemandem weg, er flieht. Nicht unbedingt aus Todesangst, sondern um eine unangenehme Begegnung zu vermeiden. Die Redewendung stammt aus dem Mittelalter, aus der Zeit der Burgen und Ritter. Jede Burg hatte damals an ihrer höchsten Stellen einen dicken Turm, den Bergfried: Er diente als letzte Rettung vor Angreifern. Wenn jemand türmte, versuchte er sich in diesem Turm in Sicherheit zu bringen. Einen solchen Turm hat auch die Burg Altena in Westfalen. Dort zeigt eine Ausstellung die Ursprünge von Sprichworten und Redewendungen. Denn oft wissen die Menschen nicht mehr, was eine Redewendung einmal bedeutet hat. Beispielsweise der Ausdruck, dass etwas keinen Deut wert ist, also nichts mehr wert. Am holländischen Niederrhein war der Deut im 17. Jahrhundert die kleinste Münzeinheit. Sie war noch weniger wert als Münzen in anderen Regionen. Ein solcher Deut wird auf der Burg Altena gezeigt.

Die Burg ist eine alte Festung, in der vor 92 Jahren die erste Jugendherberge der Welt eingerichtet wurde. Viele Schulklassen und Jugendgruppen sind hier zu Gast. Heute ist die Klasse 6b der Realschule Mark aus Hamm da. Sie hat sich die Sprichwort-Ausstellung angeschaut und dabei so manches gelernt.

Habt ihr vor der Abreise zur Burg eure ,Siebensachen gepackt?, fragt die Museumsführerin Alev und Tatjana. Die beiden nicken. Doch woher kommen die Siebensachen? Der Ausdruck stammt auch aus der Zeit der Ritter. Eine Rüstung bestand aus sieben Sachen: Helm, Kragen, dem Brustpanzer und jeweils zwei Teilen für Arme und Beine. Nur wenn der Ritter alle sieben Teile hatte, war sein Schutz vollständig – dann konnte er auf Reisen gehen.

Die Ritter haben uns auch den Ausdruck etwas ins Visier nehmen vererbt. Man sagt es heute, wenn man seine Aufmerksamkeit auf etwas richtet. Ein Ritter in seiner Rüstung musste durch die Schlitze seines Helm-Visiers schauen, also etwas ins Visier nehmen.

Einen Zacken zulegen – das haben die Schüler schon gehört: wenn sie zu langsam sind und der Lehrer, die Eltern oder auch die Freunde wollen, dass es schneller geht. Schneller gehen sollte es früher beim Essen. Töpfe oder Bratspieße hingen über dem offenen Kaminfeuer an einem Eisen mit Zacken in unterschiedlicher Höhe. Sollte das Essen schneller gar werden, musste ein Zacken zugelegt werden: Man hängte das Kochgeschirr oder den Spieß einen Haken tiefer.

Wer früher Geld sparen wollte, musste sich etwas einfallen lassen. Banken gab es nur wenige, und die machten ihre Geschäfte mit den reichen Leuten. Also blieb nur die Aufbewahrung zuhause. Doch wohin mit dem Geld, damit Einbrecher keine leichte Beute hatten? Hohe Kanten boten sich an: Wandbretter, Schränke oder die Oberteile von Betten. Betten bestanden damals oft nicht nur aus dem unteren Gestell und der Matratze. Sie hatten einen Himmel, an dessen Seiten man Vorhänge zuziehen konnte. Auf den oberen Balken eines solchen Himmelbettes, der hohen Kante, konnte man Geld verstecken, das man sparen wollte. Auch wer heute etwas auf die hohe Kante legt, spart Geld. Doch statt des Bettes wählen die meisten Menschen lieber eine Bank.

Im Innenhof der Burg probieren die Realschüler ein Sprichwort aus. Sie wollen die Tafel aufheben. Beinahe klappt es. Denn die schweren Steinplatten der großen Tische im Innenhof liegen lose auf den Beinen. Im Mittelalter brachte man bei großen Festessen die Tischplatte mit dem Essen und dem Geschirr darauf in den Speisesaal und setzte sie auf Gestellen ab. War die Gesellschaft fertig mit dem Essen, wurde die Tafel aufgehoben: Diener trugen die Tischplatte mit Essensresten und schmutzigem Geschirr hinaus. Wenn heute die Tafel aufgehoben ist, darf man aufstehen: Das feierliche Essen oder die Veranstaltung ist zu Ende. Dann können die Gäste gehen, doch die Tischplatte bleibt da.