Feuer in Israel: Nicht das letzte dieser Art.

Das verheerende Feuer im nordisraelischen Karmelgebirge ist eine Folge des Treibhauseffekts, sagen Forscher. Rund ums Mittelmeer steige die Brandgefahr.

Bereits vor zehn Jahren haben israelische Umweltforscher Klimaszenarien für das Jahr 2100 entworfen. Demnach steigt die mittlere Temperatur um eineinhalb Grad, die Niederschläge gehen zurück, die Verdunstung erhöhen sich. Die Häufigkeit, die Intensität und das Ausmaß der Brände würden durch den trockenen Boden, stärkere Verdunstung sowie häufigere und intensivere Hitzeperioden zunehmen, war in einem Gutachten zu lassen, dass die Ben-Gurion-Universität des Negevs im Auftrag des israelischen Umweltministeriums damals erstellt hat. Bei einer Erwärmung von 1.5 Grad rechneten die Forscher damit, dass sich die Wüste im Nahen Osten um 300 bis 500 Kilometer nach Norden ausdehnt. Die typischen mediterranen Ökosysteme würden damit aus Israel verschwinden.

Es wird heiß und trocken

Den Waldbränden im Karmel-Gebirge im Norden Israels war eine Hitzeperiode mit Temperaturen um 30 Grad Celsius und acht Monate Trockenheit vorausgegangen. Im Durchschnitt beträgt die Temperatur um diese Jahreszeit hier jedoch nur etwa 20 Grad, und der erste Regen fällt gewöhnlich zwischen September und Oktober. Das Karmel-Gebirge erhebt sich im Norden Israels bis zu 546 Metern über dem Mittelmeer. Wegen der verhältnismäßig hohen Niederschläge und niedriger Bevölkerungsdichte gedeiht dort eine üppige Vegetation. Deshalb wurden große Teile zum Nationalpark erklärt und unter Schutz gestellt. Bei den bisher schlimmsten Waldbränden in der Geschichte Israels starben in den vergangenen Tagen 42 Menschen und 250 Häuser brannten nieder. Insgesamt wurden 5.000 Hektar Land im Karmel-Gebirge bei Haifa verwüstet – darunter auch der größte Kiefernwald Israels. Die Schäden werden auf über 55 Millionen Euro geschätzt. In Israel wird seitdem heftig über die Feuerwehr diskutiert.

Forscher kritisiert Konsumverhalten

Der israelische Umweltforscher Guy Pe’er sieht die Hauptursachen aber nicht in Fehlern der Feuerwehr, sondern im Konsumverhalten der Menschen, das zur weiteren Erwärmung der Atmosphäre führt: „Wir konsumieren mehr als wir sollten und riskieren so unsere eigene Zukunft. Können wir uns wie verantwortliche Menschen verhalten und unsere Gewohnheiten ändern?“ Aus Sicht des israelischen Wissenschaftlers ist die internationale Politik gefordert, auf der UN-Klimakonferenz in Cancun Beschlüsse zu fassen, die die Erwärmung der Atmosphäre bremsen. Denn der Klimawandel sei keine Fiktion. Die Israelis haben in diesen Tagen einen Ausblick bekommen, was die kommenden Generationen erwartet, so Guy Pe’er.

Waldbrände keine Seltenheit – die Natur holt sich Fläche zurück

1989 erlebte Guy Pe’er, wie drei Waldbrände große Teile des Karmel-Gebirges am Rande seiner Heimatstadt Haifa zerstörten. „Ich habe damals zwölf Monate lang die Rückkehr der Pflanzen untersucht und 15 Monate die Wiederansiedlung des Mesopotamischen Damhirschs begleitet. Dabei habe ich gelernt, dass Feuer etwas Natürliches sind und die Natur sich wieder erholen kann, wenn sie nicht wiederholt gestört wird“, berichtet Pe’er. Allerdings hat sich das Ausmaß, das die Wandbrände angenommen haben, mittlerweile stark ausgedehnt. Der Großbrand jetzt verwüstete eine Fläche, die zehnmal größer ist als beim bislang größten Brand im Jahr 1989.