Beinahe endlose Fichten- und Buchenwälder – von diesem Anblick müssen Besucher des Sauerlandes möglicherweise Abschied nehmen. Denn bald wachsen dort vielleicht japanische Birken und Rote Zedern aus Nordamerika – zumindest an den Hanglagen.

Förster Klaus Münker kennt sein Revier im nördlichen Siegerland genau. Bei seinen vielen Rundgängen durch den Wald ist ihm in den vergangenen Jahren aufgefallen, dass einige Baumarten anfälliger für Schädlinge geworden sind: Mehr als hundert Jahre alte Buchen werden plötzlich von Pilzen befallen und sterben innerhalb weniger Monate ab. „Es könnte an der Erderwärmung liegen“, mutmaßt Münker.

Ein paar zehntel Grad mehr hindert zwar die Bäume noch nicht am Wachsen; bislang eher ungefährliche Pilze fühlen sich jedoch bereits bei geringfügig wärmerem Klima weitaus wohler. Und diesen Schädlingen haben Buchen wenig entgegen zu setzen, gerade wenn sie zusätzliche durch heftigen Sturm geschwächt werden, zum Beispiel an Nord-Ost-Hängen. Auch die Fichte, kommt allem Anschein nach nicht ungeschoren davon: Die Förster entdecken immer mehr knabbernde Käfer an den Knospen der Bäume. Zurück bleibt schief gewachsenes oder, wenn der Baum stirbt, morsches Holz. Und das ist für die wirtschaftliche Verwertung uninteressant. Deswegen sind die Förster auf der Suche nach Alternativen.

Münkers Kollege Herbert Dautzenberg vom Forstrevier Burgholz bei Wuppertal im Angebot. Jahrzehntelang haben er und seinen Kollegen dort fremde Bäume gezüchtet. Die Förster haben beobachtet, wie die eigentlich in Asien, Nordamerika und rund ums Mittelmeer heimischen Bäume im nordrhein-westfälischen Mittelgebirge gedeihen. Ganz so fremd sind diese Bäume gar nicht: „Vor der letzten Eiszeit waren sie auch in Mitteleuropa heimisch „, sagt Förster Dautzenberg. Die Bäume, die jetzt wieder als „Ausländer“ nach Deutschland kommen, haben einige Vorteile: Sie halten höhere Temperaturschwankungen aus und wachsen schneller. Wenn sich die Klimaerwärmung weiter in den Wäldern bemerkbar macht, wären die Versuchsbäume aus dem Revier Burgholz also bestens geeignet. Besonders begeistert ist Dautzenberg von der nordamerikanischen Roten Zeder. „Vor 30 Jahren habe ich selbst einige hier angepflanzt; jetzt wird das Holz bereits geerntet“, sagt der Wuppertaler Förster. Ein solcher Erfolg ist für hiesige Waldfachleute äußerst ungewöhnlich, denken sie doch in weitaus längeren Zeiträumen: Die neben der „Roten Zeder“ stehende Buche mit derselben Dicke ist gut 100 Jahre älter.

Einige ausländische Bäume fallen bei der Bewertung durch. Auf den abstehenden nadeligen Ästen finden Vögel kaum einen Platz für ein Nest. Förster Dautzenberg wiegelt ab: „Die würde kein Waldbesitzer anpflanzen, weil sie mit ihren dünnen Stämmen zuwenig Ertrag bringt.“ Anders dagegen die in Asien heimische lindenblättrige Birke. Ihre Rinde erinnert an die deutschen Verwandten, die Blätter an eine Linde. Auch sie fühlen sich im Bergischen pudelwohl. Und weil sie Wind und Wetter besser aushalten und zudem Pilzen und Käfern besser trotzen, werden auf die Birke aus Japan und die Zeder aus Nordamerika immer mehr Waldbesitzer aufmerksam. „Bei uns erkundigen sich Forstleute aus ganz Deutschland nach den Baumarten“, sagt Dautzenberg. Doch Waldbesitzer sind nicht für schnelle Entscheidungen bekannt. Und deswegen wird es wohl noch ein wenig dauern, bis im Sauerland die „Rote Zeder“ geschlagen wird.