Einfach ein paar Brötchen oder einen Kaffee am Tresen kaufen und der Verkäuferin das Geld hinlegen, geht bei der Filiale eines Familienbäckers im Hannoveraner Hauptbahnhof nicht mehr. Der Bäcker verkauft das als Service. Er habe nämlich diesen „Hygieneschalter“ aufgestellt, der nun fürs Finanzielle zuständig ist. Das Geld legt der Kunde auf die Schale oben links, Scheibe rechts, das Wechselgeld nimmt er unten weg. Die Verkäuferin darf kein Geld mehr entgegennehmen. Durch das Nicht-Anfassen gebe es nun perfekte Hygiene. Nur: Wie kommt das Geld aus dem Portemonnaie des Kunden dorthin und mit welcher Hand darf er dann das Brötchen anfassen?  Möglicherweise ist öfters mal die Hände waschen für die Hygiene-Bilanz sinnvoller als der Kassen-Kasten. Ein paar Meter weiter, in der großen Filiale des Bäckers, wird übrigens ganz traditionell kassiert. Sonst würde dort der Andrang auf die belegten Brötchen gar nicht bewältigt werden können. Kassieren von Menschenhand geht nämlich schneller und sorgt für mehr Umsatz.

Auch was sonst bei Bäckern und Fleischern nach Hygiene aussieht, entpuppt sich oft als falsch: Zum Beispiel die Auffassung, es sei besser, wenn die Verkäufer Handschuhe anhätten. Da sind sich die Fachleute einig. Nur, wenn bei jedem Lebensmittelkontakt die Handschuhe gewechselt würden, träfe das zu. Besser sei es, Lebensmittel mit Zangen, Gabel oder Folien anzufassen und die Hände öfters zu waschen. Das gleiche gilt auch für den Kunden: Der sollte mit offenen Lebensmitteln, die er gerade erworben hat, ähnlich umgehen, empfehlen Lebensmittelhygieniker und Berufsgenossenschaft. Für die Verkäufer ist es übrigens auch besser, keine Handschuhe zu tragen. Das schont die Haut.

Und was Münzen und Scheine anbelangt: Da sitzen nicht mehr Keime drauf, als auf anderen Alltagsgegenständen wie Türklinken, Haltestangen im Bus oder in der U-Bahn oder Wasserhähne. Also immer schön Hände waschen.