Johanniskraut steht in dem Ruf, Kindern und Jugendlichen besser gegen Depressionen zu helfen als Psychopharmaka. Ulmer Uni-Mediziner wollen herausfinden, ob dies stimmt.

Wer schlecht schläft, greift schon mal zu Johanniskraut. Als Tablette ist die Pflanze frei verkäuflich nicht nur in Apotheken, sondern auch in Drogerien, Reformhäusern und in ganz normalen Supermärkten erhältlich. Auch bei depressiven Verstimmungen soll das Kraut helfen. Es wird sogar von Ärzten verschrieben, dann allerdings in höherer Dosis und Konzentration. Für Kinder und Jugendliche ab dem Alter von zwölf Jahren ist es behördlich zugelassen, wenn bei ihnen leichte und mittelschwere Depressionen festgestellt worden sind. Ob Johanniskraut aber tatsächlich hilft, ist bislang wissenschaftlich fundiert noch nicht nachgewiesen worden. Ärzte der Ulmer Universitätsklinik wollen dies nun ändern.

Probanden gesucht für die Studie zur Wirksamkeit von Johanniskraut

1,2 Millionen Euro erhalten sie dafür vom Bundesforschungsministerium, weitere 15 Kliniken beteiligen sich an dem Projekt, für das nun 200 Kinder und Jugendliche gesucht werden, die sich für drei Monate als Testpatienten zur Verfügung stellen. Die Studie wird nach den üblichen Regeln ablaufen: Die eine Hälfte der Teilnehmer erhält Tabletten mit Johanniskraut, die andere welche, in denen keine Wirkstoff enthalten ist, also so genannte Placebos. Wer welche Tablette bekommt, wird dem Zufall überlassen. Die Namen werden anonymisiert. Später kann keiner mehr die Person dem Studienprotokoll zuordnen.

Gleiche Ansprüche an pflanzliche und chemisch erzeugte Wirkstoffe

Für die behördliche Zulassung von pflanzlichen Wirkstoffen ist es nicht notwendig, dass ihre Wirksamkeit nachgewiesen worden ist. Die Ulmer Kinderpsychiater wollen dies dennoch herausfinden. „Wir müssen wissen, ob das, was wir verschreiben, tatsächlich hilft“, sagt Oberarzt Michael Kölch, der die Studie leitet. „Es gibt bisher nur eine Anwendungsbeobachtung und eine kleinere Studie zur Dosisfindung; das ist alles.“

Dabei tritt die Krankheit in den industrialisierten Ländern immer häufiger auf. „Sechs bis sieben Prozent der Kinder und Jugendlichen dort erleben mindestens einmal in ihrem Leben depressive Phasen, die viel mehr sind als nur schlechte Stimmung“, ist Kölch überzeugt. Gäbe es gut erforschte Medikamente, könnte ihnen schneller und gezielter geholfen werden. Dabei seien vor allem die ersten drei Monaten nach dem Auftreten der Krankheit wichtig. Könne Johanniskraut dann richtig dosiert verabreicht werden, lasse sich verhindern, dass sich das Leiden verschlimmere oder gar chronisch werde. begünstigen können. Wenn wir eine Wirksamkeit belegen können, haben wir möglicherweise eine nebenwirkungsarme Alternative zu anderen, nachweislich wirksamen Psychopharmaka. Wenn nicht, ist dieses Wissen genauso wertvoll“, sagt Studienleiter Kölch.