Kein Bedarf an Tontechnikern

Nürnberger Schule für Rundfunktechnik stellt einstweilen Ausbildung ein.

„Vorübergehend“, so formuliert Karl-Heinz-Weber, neuer Leiter der Nürnberger Schule für Rundfunktechnik (SRT), sei die Ausbildung für Tontechniker eingestellt. Und vor einigen Wochen wurden auch die letzten 14 Fernsehtechnischen Assistenten ins Berufsleben entlassen. Auch in diesem Bereich wird die SRT in der nächsten Zeit keinen Nachwuchs ausbilden; auf dem Programm stehen jetzt nur noch Weiterbildungskurse.

Die digitale Technik fordert ihren Tribut: „Es werden heute einfach weniger Ton- und Fernsehtechniker benötigt“, erklärt SRT-Chef Weber.

Private sahnten ab

Früher entließ die SRT, die für den gesamten technischen Bereich der Aus- und Weiterbildung von ARD und ZDF zuständig ist, jedes Jahr rund 20 Tontechniker auf den Arbeitsmarkt. Doch mittlerweile ist der Bedarf an Nachwuchskräften „sehr niedrig“. Ein zweiter Grund für den Ausbildungsstopp, so munkeln Insider: Die öffentlich- rechtlichen Anstalten haben mit der in Fachkreisen hochgelobten Ausbildung in Nürnberg letztlich auch immer Personal für ihre private Konkurrenz qualifiziert, ohne daß dies angemessenen honoriert worden wäre.

Einige Sender überlegen sich derweil neue Berufsbilder für den Technikbereich, wobei Namen wie „Redaktionstechniker“ oder „Junior Producer“ gehandelt werden. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei der Norddeutsche Rundfunk ein. Nach einem vierjährigen Modellversuch soll im kommenden Jahr die Ausbildung der ersten 15 „Mediengestalter AV-Technik“ erfolgen. „Der neue Beruf verbindet Ton- und Fernsehtechnik mit gestalterischen Elementen“, erläutert Christoph Lorenz von der NDR-Aus- und -Fortbildungsabteilung. Noch steht allerdings die demnächst erwartete staatliche Anerkennung als Ausbildungsberuf aus, doch Bewerbungen nimmt der NDR bereits entgegen.

Nur noch Kurse

Andere große ARD-Sender halten da mit ihren Plänen noch hinter dem Berg. Zwar wird eingeräumt, daß über neue Ausbildungskonzepte nachgedacht wird, doch offizielle Aussagen sind rar. Zuerst müsse der Bedarf geklärt und beobachtet werden, wie sich die digitale Technik auf den Arbeitsalltag bemerkbar macht, heißt es.

Wer als Tontechniker arbeiten möchte, hat auch mit einer Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker eine Chance. Denn, so berichten die Personalabteilungen, jetzt mache sich bereits in einigen Fällen der Ausbildungsstopp der SRT bemerkbar, beispielsweise, wenn kurzfristig Tontechniker für Schwangerschaftsvertretungen oder als Ersatz gesucht würden. Falls sich auf Ausschreibungen Absolventen der SRT bewerben, werden diese allerdings zumeist den Vorzug gegenüber Radio- und Fernsehtechnikern erhalten.

Die Nürnberger Schule für Rundfunktechnik wird derweil ihr Angebot nur noch mit Weiterbildungskursen bestreiten. „Früher mußten wir oft Teilnehmer ablehnen, weil wir nicht genug Platz hatten“, sagt Karl-Heinz Weber. Jetzt sollen in den Bereichen Tontechnik, Bild- und Fernsehtechnik, Sendertechnik sowie Akustik und Lichttechnik mehr Kapazitäten frei werden. Bereits im vergangenen Jahr haben mehr als 3 000 Teilnehmer diese Kurse besucht, die für rund 120 Themen angeboten werden und zwischen drei und 20 Tage beanspruchen.

[Stand: Oktober 1995]