In die Disko oder in einen Club geht man, um zu tanzen. Oder um bei einem gepflegten Cocktail an der Bar Smalltalk zu machen, mit Musik im Hintergrund, die gerade dem aktuellen Zeitgeschmack entspricht. Das, was als „E-Musik“ in den Lehrbüchern steht, erwartet man in einem solchem Ambiente allerdings nicht. Vielleicht hat deswegen das Berliner Cookies, ein direkt neben der Humboldt-Universität gelegener Club soviel Erfolg mit seinen monatlichen Klassik-Abenden. 


Technomusik…

Sprecher (1)
So hört sich die Musik im „Cookies“ normalerweise an. Techno und House-Musik wird gespielt, wie in anderen angesagten Lokalitäten der Hauptstadt auch. An jedem ersten Montag im Monat aber lädt das „Cookies“ zu einem Kontrastprogramm ein.

O-Ton 2 / Atmo
Musik, atonal….

Sprecher (2)
Dann legen die Discjockies Klassik auf – ein ungewöhnliches Experiment und mittlerweile ein Kultereignis. Bereits um neun Uhr am Abend stehen die Besucher am Eingang des Clubs Schlange.

O-ton 3
11 / 1:58 die jungen Leute haben hier einen anderen Zugang zu Klassik als im Konzertsaal und sie merken, dass sie nicht nur mit Beats and Bytes Spaßhaben können, sondern können auch mit klassischer Musik einen wunderschönen Abend haben.
2:11

Sprecher (3)
. sagt Per Hauber von der Plattenfirma Universal, die in der ersten Zeit den Klassik-Abend finanzierte und auch eigene Interpreten zu Live-Auftritten in den Club schickte.

O-ton 4 / atmo
(gesprächsfetzen /musik setzt ein)

Sprecher (4)
Fünf, sechs Meter hoch sind die kahlen, in gedeckten Farben getünchten Wände, zwei dicke Pfeiler stehen in der Mitte des Raumes, der vor hundert Jahren einmal der Eingang eines großzügig geplanten Gründerzeithauses gewesen ist. Die spärliche Beleuchtung zaubert eine heimelige Atmosphäre, die Clubgäste räkeln sich auf alten Sesseln, einige lehnen an der in der Mitte des Raumes aufgebauten Bar.

O-Ton 5
14/ 1:10 sehr schön, sehr angenehm, entspannt 1:15

O-Ton 6
12/ 0:18
Genau den Kontrast fand ich lustig, hat mich interessiert
0:23

O-Ton 7
14/ 3:44
so ne Mischung aus loungiger Atmosphäre und Leuten, die man normalerweise nicht in der Philharmonie sich mit klassischer Musik, die ein wenig exerimenteller dargeboten wird 3:55

O-ton 7
1:36
ich höre keine Klassik zuhause, ganz wenig. Mal was ganz Neues kennen zu lernen… und ich lasse mich überraschen /atmo Takte.Musik)1:48
Dass der Discjockey schon die ganze Zeit seine Titel mischt, und dabei scheinbar Unmögliches zuammenfaßt, fällt fast gar nicht auf. Die Musik läuft im Hintergrund; an die hohen Wände werden Schwarz-Weiß-Videos projeziert – Super-Acht-Filme aus den Siebzigern oder Achtzigern: ein junge Pärchen am Ufer, mit ausgewaschenes Jeans und zerlatschten Ledersandalen.

O-Ton 8 / atmo
19/ 0:05 – 0:31 Gregorianische gesänge

Sprecher (6)
Die Musik dazu ist ein buntes Potpourri aus allem, was im Musikgeschäft unter „ernster Musik“ im CD-Regal steht. Die Lautsprecher, die sonst die hämmernden Takte von Techno- und House-Musik in den Raum pusten, scheinen allerdings bei der Bandbreite der klassischen Noten das eine oder andere Mal überfordert zu sein. Nicht bei allen Gästen stößt die Idee mit Klassik im Club auf Beifall.

O-Ton 9
3:05mir gefällt das Ambiente und mir gefällt die Musik, aber mir gefällt die Mischung nicht. Die Musik ist so Kirchenmusik, sakrale Musik und der Ort ist einfach falsch, deplaziert. Ins Konzert gehört, ich bin da ein bißchenkonservativ, Klassik gehört in Konzertsäle 3:40
(zweiter O-tongeber)
14/ 2:52 Ich empfind das anders. Ich find die Mischung ganz interessant, das ma in einem Club klassische Musik spielt…das find ich schön 3:07
14/ 2:33 die atmoshäre ist da angenehmer, ist weniger steif 2:45

Sprecher (7)
Zwei Disc–Jockies wechseln sich ab, jeder gestaltet eine Stunde lang seinen Auftritt. ??? Canisius, im Hauptberuf Geiger beim Deutschen Kammerorchester:

O-Ton 10
15 / 1:50
es gibt ne grobe Richtung,nen groben Leitfaden, wenn ich mir ein paar Sachen aussuche,die ich spielen möchte und die versuche ich dann irgendwie einzupassen Aber wie das passiert, das ist jeden Abend anders 1:55

Sprecher (8)
Und mit dem eigenwilligen Programm glaubt Discjockey und Geiger Canisius bereits etliche Klubgänger in die Konzerte des Kammerorchesters gelockt zu haben. Denn für jeden Auftritt der klassischen Musiker verkauft er im Cookies so nebenbei an die 150 Karten.