Vor einem Jahr, am Wochenende des Valentinstag, erschoss ein Attentäter den dänischen Dokumentarfilmer Finn Nörgaard in einem Kopenhagener Kulturzentrum. Dort hatte es eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit gegeben. Stunden später erschoss der Attentäter den jüdischen Wachmann Dan Uzan, der ehrenamtlich den Eingang der Synagoge sicherte. Der Attentäter, ein 22-jähriger Sohn palästinensischer Einwanderer, wurde später von der Polizei erschossen.

In dem Jahr nach dem Anschlag sind sich Muslime und Juden in Kopenhagen näher gekommen – zumindest auf offizieller Seite. Auf der privaten Ebene gibt es nur zaghafte Annäherungen.

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Niddal El-Jabri ist Sohn palästinenischen Einwanderer, er ist Werbe- und Marketingfachmann und ist ständig in den sozialen Medien präsent. Er hatte eigentlich mit seinem ein Jahre alten Sohn im Stadtpark von Österbro spazieren gehen wollen, entschied sich dann aber anders. Und plötzlich überschlugen sich die Facebook- und Twitter-Meldungen auf Niddal El-Jabris Smartphone: Es habe eine Schießerei gegeben, im Kopenhagener Stadtteil Österbro, ganz in der Nähe, wo er mit seinem Sohn unterwegs gewesen wäre. Die Rede ist von einem jugendlichen Attentäter, über die Motive wird spekuliert. Es soll Tote und Verletzte gegeben haben.

The first thought that comes do you, hopefully that guy is not a Muslim. And when we got to know it was the same amount of tragedy, but you just know that this thing is going to fire up.

[Mein erster Gedanke war, hoffentlich ist der Täter kein Muslim. Und als es sich bestätigte, dachte ich, dass dies noch weiter eskaliert.]

Niddal El-Jabri ist dänischer Staatsbürger, er hat einen Hochschulabschluss, ist Unternehmer, und zusammen mit seiner Frau engagiert er sich in zahlreichen Stadtteilinitiativen. Sie sehen sich als anerkannten Teil der Gesellschaft, auch wenn sie zu einer Minderheit gehören. Für ihren Sohn wünschen sie sich dies auch.

It means a lot to us, has always been important that our son does grow up and not being claimed as a third generation muslim or a brown kid. We really want him just to be a Danish citizen. And he will have different cultural and languge things with him and if we are not even in doubt of our belonging to Denmark then he is neither.

[Für uns bedeutet es sehr viel, dass unser Sohn nicht wie ein Moslem der dritten Einwandergeneration behandelt wird, ein Kind mit dunkler Haut. Wir wollen, dass er Däne ist. Er wird seinen kulturellen und sprachlichen Hintergrund haben, doch so wie wir zu Dänemark gehören, soll er es auch.]

Stunden nach der Schießerei in dem Kulturzentrum in Osterbro erschoss der Attentäter vor der Synagoge Straße in der Innenstadt einen jüdischen Wachmann, der dort ehrenamtlich den Eingang sicherte. Rabbiner Jair Melchior war gerade auf Urlaub in Israel; in aller Frühe am nächsten Morgen flog er zurück nach Dänemark. Er schaut mit einem gewissen Fatalismus auf den Anschlag und die Zeit danach.

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Rabbiner Jair Melchior wehrt sich gegen einen Vereinnahmung.

 

 

We continued the regular Jewish life here, not because of terror not despite of terror, we continue because that is what we did before and that what we do after. That what we experienced, is just like every family that can experiences tragedies. But life continues.

[Wir leben unsere gewohntes Leben als Juden weiter, nicht wegen oder trotz des Terrors, sondern weil wir vorher so gelebt haben und wir es auch weiter so tun werden. Was wir durchgemacht haben, ist eine Tragödie, so wie Familien Tragödien durchmachen. Aber das Leben geht weiter.]

Rabbiner Melchior, dessen Familie seit 400 Jahren in Dänemark lebt, wirft anderen vor, Terror zu instrumentalisieren, zum Beispiel dem israelischen Staatschef Netanjahu. Der hatte nach dem Attentat die dänischen Juden aufgefordert, nach Israel auszuwandern.

But here it is an attack against Danish jews and putting a barrier between Danish society and Danish jews it is against everything we stand for. And I am saying this as an Israeli who lived there, I am Israeli and Danish.

[Dies war ein Angriff auf dänische Juden. Einen Keil zwischen die dänische Gesellschaft und dänische Juden zu treiben, ist gegen alles, wofür wir eintreten. Und ich sage dies nicht nur als dänischer, sondern auch als israelischer Staatsbürger.

Die 2000 Mitglieder der jüdischen Gemeinde seien selbstverständlicher Teil der Gesellschaft, aber auch die Muslime seien es, sagte der Rabbiner.

I believe in coalition between civilizations not in clash between civilzations different cultures are a good thing and a healthy thing for a community and every group should have these differences and I don‘t see a probelm with (them) being there, the opposite

[Ich glaube an eine Zusammenarbeit von Zivilsationen und nicht an den Zusammenstoß von Zivilisationen. Unterschiedliche Kulturen sind eine gute Sache und gut für eine Gesellschaft. Jede Gruppierung sollte diese Unterschiede beibehalten, ich sehe da keine Probleme, eher das Gegenteil.]

Ein paar Monate nach den Anschlägen wurde eine Moschee in Brand gesteckt, Grabmale auf muslimischen Friedhöfe wurden geschändet, es gab eine Serie von Übergriffen auf muslimische Frauen. Den Brandstifter hat man überführt, ein Mitglied der dänischen Nazi-Partei, die anderen Täter wurden nicht gefunden. Ist es das, was der Niddal El-Jabri befürchtet hatte, als er zunächst hörte, der Attentäter sei Moslem? Er sieht da eher Zusammenhänge mit der Flüchtlingskrise. Es gebe Angst und Unsicherheiten und keine klare politische Linie.

Nach dem Attentat auf die Synagoge gab es gemeinsame Veranstaltungen der religiösen Führer von jüdischen, muslimischen, christlichen und anderen Gruppen. Imame kamen zu Gedenkfeiern, zum Neujahrstreffen der jüdischen Gemeinde. Die vielen Treffen hätten das Verhältnis von Juden und Moslems weiter verbessert.

We had a good working relation with almost all Muslim organizations in Denmark before. Maybe they are a bit better, so that might have changed. They are very open, whatever we are talking. It is not something that wasnt there before, maybe even stronger after participating in all the events.

[Wir hatten auch vorher eine gute Arbeitsbeziehung zu den muslimischen Organisationen. Vielleich tist sie ein wenig besser. Alle sind sehr offen, egal was wir besprechen. Das war vorher nicht so, und das ist nach den vielen gemeinsamen Veranstaltungen stärker da.]

Niddal El-Jabri reichen die Treffen der religiösen Führer allerdings nicht. Er vermisst die Kontakte auf der persönlichen Ebene.

Our Rabbis and Imans and priest they meet and the work together on various subjects, they have workshops sometimes, but on the ground level they dont bring it down to the people that are part of their religious communities. In kind of general terms it is the fewest who have friends like it is a muslim and a jew who are friends,

[Eure Rabbiner, Imame und Pfarrer treffen sich und besprechen dies und jenes, sie machen gemeinsame Seminar, aber sie vermitteln dies nicht an die einfachen Mitglieder. Die wenigsten haben Freunde über religiöse Grenzen hinweg, zum Beispiel Muslime und Juden.]

Niddal El-Jabri begründet das auch mit der dänischen Mentalität. Jeder bleibe ein wenig in seiner „community“, das habe nicht so viel mit religiöser Überzeugung zu tun. Um so überraschter war er, dass am Tag nach dem Attentat fremde Menschen vor der Synagoge aufeinander zugingen, er und seine Familie auch von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde begrüßt wurde. Persönliche Freundschaften entstanden, auch nachdem Niddal El-Jabri eine Friedenskette, einen 600 Meter langen und aus 1000 Persionen bestehenden symbolischen Schutzring, rund um die Synagoge organisiert hatte. Vor dem Attentat, sagt Niddal El-Jabri, habe er überhaupt keinen Kontakt zu Juden gehabt. Oder zumindest habe er nicht gewusst, dass zwei gute Bekannte Juden seien. Mittlerweile ist zumindest für ihn die Freundschaft mit Juden selbstverständlich.

Now I even play for the jewish community‘s basketball team and I am the assistant coach … I love to play basketwell and I am really on a full team of jewish people l and I am the first and only muslim member

[Ich spiele inzwischen in der Basketball-Mannschaft der jüdischen Gemeinde. Ich bin Assistenztrainer. Ich mag Basketball, und ich spiele dort nur mit jüdischen Mitspielern. Ich bin das erste und einzige muslimische Teammitglied.]