Sie heißen zum Beispiel Revolut, bunq, Mister Tango, paysera, ferratum, und sie bieten ihre Dienstleistungen übers Internet an, genauer gesagt über Smartphones: Fintech-Startup, die mit kostenlosem Konto und Gratis-Kreditkarte auf Ländergrenzen keine Rücksicht nehmen und damit den klassischen Banken mittlerweile ernsthaft Konkurrenz machen.

So, das Handy über den Personalausweis halten, bis er formatfüllend das Rechteck ausfüllt, und wenn’s hell genug und gut ausgeleuchtet ist, dann löst die App sogar automatisch ein Foto aus, ohne dass noch ein Button gedrückt werden müsste.

Wer eine Debit-Karte braucht und dafür auch Angebote aus dem Internet nutzen will, kann sich einfach per Smartphone identifizieren, zum Beispiel dem Anbieter mit dem Namen „Mister Tango“.

Dasselbe jetzt noch mit der Rückseite des Persos, dann ein Selfie.

Irgendwo im Netz prüft eine Software, ob alle Daten plausibel wirken und übereinstimmen. Die App meldet sich zurück, das Konto könne jetzt aufgeladen, die Debit-Mastercard bestellt werden. Zwei Wochen später ist sie da. 

Hinter Mister Tango verbirgt sich eine Bank, zumindest so eine Art Bank – und nach eigenen Angaben mit Sitz in Litauen.

Wer sein Geld bei Mister Tango deponiert, erhält ganz normal eine übliche IBAN-Nummer zugeteilt, und gleichzeitig verspricht Mister Tango keine Konto- oder Buchungsgebühren einzufordern. Die Mastercard auf Guthabenbasis ist kostenlos. Es erfolgte offenbar auch keine Bonitätsabfrage.

Mit ähnlichen Angeboten sind in den vergangen Monaten auch andere europäische Startups in den Mobile Banking-Markt eingestiegen, zum Beispiel Ferratum aus Malta, Paysera, ebenfalls aus Litauen. Oder Revolut aus London. Gerade wer viel reist, fühlt sich von der britischen Karte angesprochen, zum Beispiel Jonas aus Berlin. Der 23jährige nutzt die Karte überwiegend im Euro-Ausland:

Man kann halt, gerade wenn man in anderen Ländern ist, einfach mit der Karte bezahlen, ohne dass einem großartig Gebühren abgerechnet werden. Es ist wirklich sehr praktisch, weil gerade bei vielen deutschen Banken, die verlangen für eine Auslandsgebühr fünf Euro fünfzig allein für eine Transaktion, und bei einer Revolut ist das alles kostenlos.“

So wie bei vielen anderen Smartphone-Konten auch. Das britische Unternehmen Revolut bietet zudem Konten in verschiedenen Währungen an, zum Beispiel außer in Euro auch in Dollar oder britischen Pfund. Und der niederländische Mitbewerber Bunq wirbt mit Unterkonten, die je nach Ausgabezweck eingerichtet werden können. Ein Angebot, das der 32jährige Tobias ständig nutzt:

Ich hab dann mal zehn Konten und kann dann sagen, das ist für Fitness, das andere für Lebensmittel, also für wiederkehrende Ausgaben, das andere für alltägliche Ausgaben. So kann ich mein Budget eigentlich ganz gut halten und das kann ich zum Beispiel mit meiner Hausbank nicht. Da gibt’s ein Konto. Fertig.“

Doch die Fintechs mit ihren pfiffigen Ideen haben auch Schwächen: Server fallen schon mal aus, die Software hakt gelegentlich – typisch für solche Start-Ups, sagt Max Yang von der Freien Universität Berlin, wo der Jurist zu Zahlungsrecht forscht. Auch er ist von den Vorteilen von Handy-Konten wie Revolut und Bunq überzeugt, nutzt sie selbst, nennt aber auch Risiken. Nicht immer stecken nämlich tatsächlich Banken dahinter, manchmal sind es so genannte E-Geld-Institute. Max Yang:

Das e-Geldinstitut ist, man könnte sagen, die kleinere Form einer Banklizenz. Das e-Geldinstitut muss sich nicht um eine Einlagensicherung im herkömmlichen Sinne kümmern, sondern das Geldinstitut muss lediglich die Gelder der Kunden abgetrennt von den eigenen Geldern für den alltäglichen Geschäftsbetrieb lagern.“

Allerdings bietet auch nicht jede Vollbank automatischdieselben Sicherheiten. Zwar müssen alle Banken in der EU ihre Einlagen sichern. Doch wie schnell im Fall einer Pleite Kunden an ihr Geld kommen, könnte auch von der Wirtschaftskraft eines Landes abhängen, warnt Uwe Döhler von der Stiftung Warentest. Länder in Zentraleuropa würden dabei von den Ratingagenturen gut bewertet.

Allerdings gibt es auf der anderen Seite sehr viele kleinere und auch osteuropäische Länder, die diese Kriterien nicht erfüllen. Dazu zählen beispielsweise die baltischen Republiken aber auch Malta, Bulgarien oder Griechenland.

Wir raten den Kunden zu schauen, aus welchem Land kommt diese Bank und dann zu schauen, wie sieht es dort mit der Einlagensicherung aus.“

Die meisten Nutzer stört dies allerdings kaum, so wie Jonas:

Wenn ich mir dort Geld drauf überweise, dann ist das auch nicht viel. Ich sage mal, mehr als hundert Euro habe ich auf diesem Konto nicht drauf. Und im Großen und Ganzen habe ich aber schon recht hohes Vertrauen in solche Fintech-Banken. Deswegen sehe ich da jetzt nicht so eine große Problematik.“