Sehen wie ein Mensch: Siegener Professor für 3D-Kamera-Chip nominiert

Für den Menschen ist räumliches Sehen kein Problem: Zu dem, was die Augen zweidimensional wahrnehmen, rechnet das Gehirn die Tiefe dazu. Was nahe und was fern liegt, nimmt der Mensch so in Sekundenbruchteilen wahr. Beispielsweise beim Autofahren. Bremst der Vordermann, läuft ein Kind plötzlich auf die Straße oder steuert das Fahrzeug auf einen Baum zu, dann reagiert der Mensch. Sollte er zumindest. Allerdings handelt der Autofahrer erst verzögert, nach einer Schrecksekunde.

Computer kennen keinen Schreck

Das Computerauge, das der Siegener Professor Rudolf Schwarte und seine Mitarbeiter Bernd Buxbaum und Torsten Gollewski in den vergangenen Jahren entwickelt haben, beherrscht ebenfalls das dreidimensionale Sehen. Der große Unterschied: Der Chip erschreckt sich nicht; er handelt sofort, ohne Zeitverzögerung. Er betätigt die Bremse, löst die Airbags bereits vor dem Unfall aus, und dies auch noch wohldosiert. Lehnt sich der Fahrer beispielsweise gerade noch vorne, „sieht“ dies der Computer dank des dreidimensional wahrnehmendem Chip, löst die Airbags sanfter aus üblich und vermeidet so Verletzungen.

Keine Zeit für Ehrungen

In der Zwischenzeit forscht der 63-jährige Professor Rudolf Schwarte an den Feinheiten. Und an anderen Anwendungen – in der Medizin, bei Operations- und Diagnostechniken, im Maschinenbau, in der Verfahrenstechnik. Dass Schwarte für den Zukunftspreis nominiert ist, ist ihm eher peinlich. Lieber würde er nach eigenen Worten im Moment weiter an seinen Forschungen arbeiten. Denn jeder Tag, an dem er sich nicht mit seiner Erfindung befasst, sei für ihn ein verlorener Tag. „Je früher die Erkenntnisse umgesetzt werden, desto mehr Menschenleben können gerettet werden“, sagt er.

(Stand: 2005)