Professor Wolfram Frank von der Uni Siegen greift gerne schon mal zu ungewöhnlichen Maßnahmen, um seine Studenten bei der Stange zu halten. Statt Vorlesung wird schon mal ein WM-Spiel auf die Leinwand im Hörsaal übertragen. So ganz fachfremd war das aber nicht. Denn mit dem WM-Ball „Teamgeist“ und der Frage „Flattert der nun oder nicht?“ kennt sich Professor Frank aus: Er war an der Entwicklung des neuen Fußballs beteiligt.

 

Im Windkanal bei den Strömungsforschern der Uni Siegen waren sie alle: Bälle aus Leder, aus Kunststoff, genähte und geklebte. Zum Beispiel der von der letzten WM. Professor Wolfram Frank: „Dieser Ball besteht aus 32 Elementen, diesen Sechseck- und diesen Fu¨nfeckelementen, die aneinander gena¨ht sind, die Elemente bestehen aus Kunststoff.“ Und dann der zwei Jahre spa¨ter zur Europameisterschaft vorgestellte Ball: Prof. Frank: „Der ist nicht mehr genäht. Die selben Fünf- und Sechsecke sind jetzt aneinander geklebt.“

Ganz neu dann „Teamgeist“, der Ball für die Weltmeisterschaft in diesem Jahr. Prof. Frank: „Und dann sehen Sie hier den Teamgeist mit seinen Propeller- und seinen Du¨senelementen, und wenn Sie die jetzt vergleichen, dann sehen Sie, dass hier doch eine ganz andere Geometrieoberfla¨che vorhanden ist, und was zu vermuten, dass dieser Ball andere aerodynamische Eigenschaften aufweist.“

Denn bei gleichem Gewicht und gleicher Gro¨sse fliegen Ba¨lle unterschiedlich weit, je nachdem, ob die Oberfla¨che rau oder glatt ist. Und je nachdem, aus wie vielen Teilen er zusammengeklebt wurde und wie diese Klebenähte beschaffen sind.

Prof. Frank: „Und nun galt es sicherzustellen, dass dieser Ball, obwohl er eine ganz andere Oberflächenstruktur hat, dieselben aerodynamischen Verhaltensweisen aufweist wie die fru¨heren WM- und EM-Bälle.“

Dazu mussen die Forscher herausfinden, welche Werte für Auftrieb, Widerstand, Seitenkraft bei Flanken und Freistößen auftreten. Theoretisch geht das nicht, sagt Professor Frank, nur im Experiment.

Prof. Frank: „Und hier ist es nun so, dass diese Versuchseinrichtung sehr pra¨zise gebaut sein muss, weil kleine Sto¨rungen in der dieser Aufha¨ngung des Balles zu Sto¨rung der Reibungsgrenzschicht des Balles fu¨hren und damit die Aerodynamik des Balles vera¨ndern.“

Herausgefunden haben die Siegener Forscher, dass sich der neue Ball tatsa¨chlich ein wenig von den alten unterscheidet. Prof. Frank: „Unsere Untersuchungen zeigen, dass der jetzige WM-Ball et

Prof. Wolfgang Frank; Professor für Strömungslehre an der Universität Siegen, mit Fußbällen von Welt- und Europameisternschaften. Frank testet im Windkanal die Flugeigenschaften von Bällen.

wa bei Freisto¨ßen oder Elfmeter einen niedrigeren Luftwiderstand hat wie die bisherigen Ba¨lle.“

Die neuen ko¨nnen also ein klein wenig schneller oder mit ein bisschen mehr Drall angeflogen kommen. Die Kritik von Torhu¨ter Lehmann und anderen Spielern, der Ball wu¨rde flattern, kann Professor Frank dagegen nicht ernst nehmen. Denn wenn Ba¨lle quer u¨bers Spielfeld geschlagen werden und dann irgendwann langsamer werden, gibt es irgendwann eine typische Erscheinung – sie fangen an zu Flattern, alle, egal ob es alte oder neue sind.

 

Prof. Frank: „Dieses Flattern hat m

an sich nicht so vorzustellen, dass der Ball ein oder zwei Meter abweicht, sondern das sind ein, zwei, drei Zentimeter, wo er dieses instabile Verhalten aufweist.“