Wissenschaftler spielten im Auftrag der NATO die bösen Buben und gaben sich auf Facebook und in anderen sozialen Netzen falsche Identitäten. Sie versuchten so das Vertrauen von Soldaten zu gewinnen und ihnen geheime Informationen über ein Manöver zu entlocken. Sie waren sehr erfolgreich.

Das NATO Strategic Centre of Excellence, das dieses Experiment durchführte, brauchte etwa einen Monat. Dann waren die Forscher dort dank des Mitteilungsbedürfnisses der Soldaten ziemlich gut im Bilde, welche Truppen in welcher Stärke wo an dieser Übung beteiligt waren.

Jeder Mensch habe einen „Schalter“, wird der Leiter dieses Zentrum, Janis Sarts, in der Zeitschrift „wire“ zitiert. Für die einen sei dieser Schalter ein finanzielles Problem, für jemandes anderes ein Rendezvous mit einer attraktiven Person, für den dritten alles, was mit Familie zu tun habe. Und, so Sarts weiter, die im Netz öffentlich verfügbaren  Information über diese Personen reichten aus, um zu wissen, um welchen „Schalter“ es handele. Den Schalter umlegen und die Person dann dazu bewegen, Informationen preiszugeben, war dann der nächste Schritt – eine klassische Spionagetechnik, nur aus dem Offline-Leben in die sozialen Netze verschoben. 

Die Forscher legten Facebook-Seiten an, die mit ihrer Anmutung militärische Seiten nachahmten. Sie gründeten Facebook-Diskussionsgruppen, legte Profile an, die auch von tatsächlich lebenden Personen hätten stammen können. Und sie begannen zu kommunizieren, auf Facebook, Twitter, auf Instagram und woanders im Internet. Die sozialen Netze kamen ihnen in einigen Fällen auf die Schliche und legten die Accounts still, andere gefälschten Identitäten blieben unerkannt.

In der Studie wird nicht erwähnt, um welche NATO-Truppen es sich handelt, deren Soldaten sich so beeinflussen ließen. Verschwiegen wird auch, wie genau die Forscher sie manipuliert  haben. Einige wurde aber offenbar dazu gebracht, ziemlich offen gegen Dienst- und Geheimhaltungsvorschriften zu verstoßen, möglicherweise aus Geltungsdrang, vielleicht auch auf Stolz auf das Vorhaben und die eigene Beteiligung daran. 

Eine Schlussfolgerung der Forscher lautet:  

Our experiment showed that, at the current level of information security, an adversary is able to collect a significant amount of personal data on soldiers participating in a military exercise, and that this data can be used to target message with precision, successfully influencing members of the target audience to carry out desired behaviors.“

Ausgangspunkt des Experimentes war übrigens das Anliegen, einige der Social-Media-Techniken nachzumachen, die Russland-Trolle eingesetzt haben sollen, um die US-Wahlen zu manipulieren.

Nach „wire“ hat auch das „Bulletin of the Atomic Scientists“ über dieses Experiment berichtet. Die Studie der Forscher mit dem Titel „Responding to Cognitive Security Challenges“ ist hier nachzulesen.