Sie haben einen Bundestrainer, einen eigenen Sportverband mit einem richtigen Präsidenten und sogar einen Deutschen Meister. Doch die Sportart kennt kaum jemand. Diäsch heißt sie; ein paar Dutzend Spieler gibt es in Deutschland.

Die meisten wohnen in Münster und in Berlin. Was sie brauchen, ist lediglich ein Ball. Den bringen sie mit. Und sie benötigen eine Tischtennisplatte. Die steht in öffentlichen Parks, zum Beispiel im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Da treffen sich die Diäsch-Spieler zwischen Mai und September jeden Dienstag.

Erst das Radio

Ein typischer Spielabend fängt mit einem Radio an. Das wird auf die Tischtennisplatte gestellt, direkt an die Netzkante. Beim Spielen stört das Radio kaum, dafür ist die Musik aber genau in der Mitte der Spieler zu hören. Kaum ist die Musik an, schlagen die Spieler den Ball übers Netz: Es sieht beinahe aus wie Tischtennis, nur der Schläger fehlt. „Wir dürfen den Ball mit allen Körperteilen berühren“, erklärt Hilmar. Er ist einer der Diäsch-Erfinder. Der Name kommt von der Verballhornung des Wortes „Tisch“ – langgezogen, das T zu einem D geformt und das i zu einem „iää“, entstand dann der Ausdruck „Diäsch“.

Der Ball war zuerst da

Vielen denken, wir hätten Tischtennis spielen wollen und einfach nur den Schäger vergessen gehabt,“ sagt Hilmar. „Doch tatsächlich war es anders: Jemand hatte zufällig einen Ball mit.“ Und schon ging es los. Die Regeln wurden schnell beschlossen: Der Ball – die Diäsch-Spieler nennen ihn „Prelk“ – darf mit allen Körperteilen so oft berührt werden wie gewünscht, allerdings nur einmal mit der Hand. Als „Hand“ zählt dabei der gesamte Arm bis zum Schulteransatz. Geübte Spiele geben sich selbst Vorlagen, ändern dabei ihren Standort, um so besser schießen oder schmettern zu können. Alles scheint etwas lockerer zu sein als beim offiziellen Tischtennis. Die Spieler nehmen die Platte nur als groben Anhaltspunkt, dürfen um sie herumrennen, sogar auf sie heraufspringen – Hauptsache, der „Prelk“ fliegt in Richtung Gegner. Wenn vier Leute spielen, stehen zwei direkt am Netz, fangen den Ball sofort ab und schmettern ihn dem Gegner auf die Platte. Im regulären Tischtennis wäre das nicht erlaubt. Dort sind mittlerweile viele Regeln geändert worden. Die Diäsch-Spieler haben sich dem verweigert. „Wir zählen jeden Satz immer noch bis zum 21. Gewinnpunkt“, sagt Hilmar. Und auch die Bälle sind nicht, wie beim Tischtennis, größer geworden. „Wir haben noch einen ganzen Sack voll mit den kleinen Bällen“, sagt Hilmar.

Ernst und Spaß – mit eigenem Verband

Weil die Diäsch-Spieler sich nicht so ganz ernst nehmen, aber dann doch ein wenig wie richtige Sportler behandelt werden möchten, haben sie einen eigenen Verband gegründet, natürlich mit allen Ämtern, die so ein Verein zu vergeben hat. Und sie stellen sich und ihre dann doch etwas komplizierten Regeln mit den vielen Fachbegriffen im Internet vor (www.diäsch.de). Katharina zum Beispiel ist dadurch auf die seltsame Sportart aufmerksam geworden. „Und dann bin ich einfach mal in den Schulpark im Prenzlauer Berg gegangen, um mir das anzuschauen“, sagt sie. Jetzt kommt sie, wenn das Wetter schön ist, regelmäßig zum Spielen dorthin. Und stört sich auch nicht an den etwas abfälligen Blicken der richtigen Tischtennis-Spieler, die auf den Nachbarplatten den Ball übers Netz schlagen und dafür noch einen Schläger benutzen.

Diäsch-Fachbegriffe und Regeln

Kantenball: Auch die seitlich Kante der Platte zählt als Spielfläche. Wer sie bespielen will, muß dies mit dem Satz „Ich kündige einen Kantenball an!“ kundtun. Das kann bereits zu Beginn eines Spiels erfolgen. Versäumt ein Spieler dies, darf der Gegner den Ball drei Mal auf Körperteile schlagen, auf denen der Ball schwer zu beherrschen ist, zum Beispiel auf die Oberarme.
Volley: Wie beim Tennis darf der Prelk auch volley gespielt werden, also ohne vorheriges Berühren der Platte. Wie beim Volleyball darf ein Block gebildet werden, direkt am Netz, auf der eigenen oder der gegnerischen Seite.

Die kompletten Regeln gibts im Internet:www.diaesch.de