Umstellung auf Sommerzeit wirkt lange nach

Zwölf- bis achtzehnjährige Schüler merken die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit besonders stark. Müdigkeit und Leistungsabfall können die Folgen sein.

In einer groß anlegten Studie haben sich WIssenschaftler der Pädagogischen Hochschule Heidelberg mit den Auswirkungen der der Sommerzeit-Umstellung auf Jugendliche befaßt. Die Chronobiologen, so nennen sich Forscher, die sich mit den Folgen von Zeitveränderungen auf den Menschen auseinandersetzen, haben dazu rund 500 Schülerinnen und Schüler befragt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Zwölf- bis 18jährige bis zu drei Wochen benötigen, bis sich ihr Körper an die Zeitverschiebung gewöhnt hat. Müdigkeit und Leistungsabfall in der Schule sind mögliche Konsequenzen, warnen die Wissenschaftler.

Die Umstellung auf Sommerzeit, aktuell wieder in der Nacht auf den 29. März, betrifft alljährlich Millionen von Menschen. Dennoch sei die Öffentlichkeit über die Auswirkungen auf die Gesundheit kaum informiert, meinten die Forscher. Um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wurden erstmals fast 500 Schülerinnen und Schüler der Metropolregion Rhein-Neckar in einer groß angelegten Studie an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg während dieser Umstellung befragt.

Die meisten Jugendlichen sind Nachteulen

Die Ergebnisse der Chronobiologie-Studie unter Leitung von Biologieprofessor Christoph Randler zeigten, zumindest zwei Wochen nach der Umstellungen sollten weder Klassenarbeiten geschrieben noch Prüfungen abgelegt werden. „Die meisten Jugendlichen sind sowieso ‚Nachteulen‘ und haben bereits ohne Zeitumstellung Probleme, morgens in der Schule fit und leistungsfähig zu sein“, sagt Professor Randler. Durch die Zeitumstellung müssen die Jugendlichen nun nochmals eine Stunde früher aufstehen. Dies verschlimmert die Situation weiter. „Die meisten Jugendlichen sind eher Abendtypen und morgens in der Schule noch nicht fit. Diese Veränderung findet in der Pubertät statt. Studien zeigten auch, dass Jugendliche, die stark zur ‚Nacheule“ orientiert sind, schlechtere Noten mit nach Hause bringen“, sagte Randler weiter.

Die Studie, die im Fachblatt Sleep Medicine publiziert wurde, stellt außerdem fest, dass „Eulen“ länger unter der Umstellung auf Sommerzeit leiden als ‚Lerchen‘. Lerchen, die morgens leichter aus dem Bett kommen, aber abends früher müde werden, sind allerdings ab der Pubertät in der Minderheit – dennoch sei das deutsche Schulsystem weitgehend auf Lerchen zugeschnitten, kritisiert Randler.

Berliner Schüler wollen späteren Unterricht

Das meinen auch Berliner Schüler. Dort haben die Charlottenburger Loschmidt-Berufsschule und das Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium bereits 2007 entschieden, den Unterricht später als acht Uhr beginnen zu lassen – allerdings nur im Winter. Am John-Lennon-Gymnasium wird dies gerade diskutiert. Die Schülervertreter des Lennon-Gymnasiums argumentieren mit dem Biorhythmus der Schüler und zitieren Erkenntnisse von Schlafforschern. Dies hatte auch bei der Entscheidung des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums eine Rolle gespielt. Ausschlaggebend war dort aber vor allem die Umstellung der gesamten Unterrichtsorganisation von 45- auf 60-Minuten-Einheiten, berichtet Direktor Ralf Treptow. Der Unterricht beginnt jetzt regulär um 8.35 Uhr – zu aller Zufriedenheit. Die Loschmidt-Schule startet mit Rücksicht auf ihre schwierige Schülerklientel um 9 Uhr. Die Zahl der „Zuspätkommer“ sei seither gesunken, sagt Schulleiter Wolfgang Foest.