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Die Europäische Union wächst und mit ihr auch die Verwaltung. Gesetze der Mitgliedsländer müssen angepaßt, EU-Regelungen auf die nationalen Umstände angewendet werden. Wirtschaftsunternehmen haben den europäischen Binnenmarkt Im Auge, für den sie gerüstet sein wollen — ausreichende Informationen Über den Handel in den jeweiligen Landern müssen zur Verfügung stehen. Diese Wissenslücken versuchen immer mehr Universitäten mit Weiterbildungs- und Aufbaustudiengängen zu schließen, in denen Europa und die europäische Einigung das Schwerpunktthema bilden.

Die geschichtliche Entwicklung und die politischen Verflechtungen der Union sind nicht mehr nur Nebensache: Rund 250 Universitäten haben mittlerweile Postgradulerten-Studien mit unterschiedlicher Länge und verschiedenem Inhalt in ihrem Angebot, rund ein Drittel mehr Programme als noch vor vier Jahren.

Schwerpunkt Jura

Die Juristen nehmen mit 109 Aufbaustudiengängen dabei den Großteil der Programme ein, Wirtschaftsund Politikwissenschaftler können jeweils zwischen rund 50 Programmen aussuchen. Meist bieten deutsche Universitäten allerdings eine Europa-Spezialisierung lediglich im Rahmen einer Promotion an, nur acht regelrechte Aufbaustudiengänge werden angeboten: In Aachen, Saarbrücken, Bremen, Kiel und Speyer. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Rechtswissenschaften. Aachen bietet Europa-Studien, Saarbrücken neben Jura auch einen Wirtschaftsschwerpunkt und Speyer einen Magister in Öffentlicher Verwaltung an.

In anderen europäischen Ländern ist das Angebot vielfältiger, besonders in Frankreich und Im europakritischen Großbritannien. Dort können Interessenten oft zwischen einund zweijährigen Studiengängen auswählen, wobei die Schwerpunkte wieder auf den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften liegen.

Mehr als zwei Dutzend britische Hochschulen behandeln Themen der geschichtlichen Entwicklung Europas, der europäischen Einigung, Fragen der europäischen Sozialpolitik, das Verhältnis der Europäischen Union zum restlichen Europa oder auch zu Lateinamerika. Auf Sicherheitsfragen konzentriert sich beispielsweise ein einjähriger Studiengang der Universität Aberdeen.

Stipendien sind möglich Im Gegensatz zu den deutschen Universitäten wollen die meisten anderen europäischen Hochschulen Geld für ihre Lehrleistung haben. So schlägt beispielsweise ein Studium an der Universität von Oxford mit 5300 Pfund zu Buche, die Pariser Sorbonne verlangt 15 000 Francs für ein einjähriges europäisches Wirtschaftsstudium. Teilweise sind allerdings EU-Stipendien möglich, die über die jeweiligen Beauftragten der heimischen Hochschule beantragt werden müssen.

Wer es ganz europäisch haben mochte, kann nach Italien gehen. In Firenze unterhält die EU ein eigenes Universitätsinstitut, finanziert von den einzelnen Mitgliedsstaaten. Noch internationaler geht es im italienischen Bologna zu. Die in der amerikanischen Hauptstadt Washington beheimatete John-Hopkins-Universität betreibt dort ein Studienzentrum, an dem sie US- und europäischen Studenten ein einjähriges Diplom-Programm oder elis zweijähriges Magisterstudium der Internationalen Beziehungen anbietet. Der Preis: Stolze 17 000 US-Dollar, Stipendien werden allerdings vergeben.

Die von der Europäischen Kommission herausgegebe Broschüre „Postgraduate Degrees In European Integration“ gibt nähere Auskünfte zu allen Aufbaustudiengängen. Erhältlich Ist das 130seitige Heft beim Bundesanzeiger-Verlag (Postfach 100534, 50445 Köln), Telefon 0221 — 20290

[Stand: Oktober 1994]