Wähler lassen sich von einer politisch einseitigen Berichterstattung nicht beeinflussen. Eine Studie der beiden Wirtschaftswissenschaftler Stefan DellaVigna (Universität von Kalifornien in Berkeley) und Ethan Kaplan (Universität Stockholm) legt diese Schlußfolgerung nahe; zumindest beim US-amerikanischen Fernsehsender Fox und seinen Zuschauer. Im Oktober 1996 war der erzkonservative Nachrichtenkanal auf Sendung gegangen, konnte also, da er nur über wenige lokale Kabelnetze verteilt wurde, die Präsidentschaftswahl im November kaum beeinflußt haben, nahmen die beiden Wissenschaftler an. Vier Jahre später war Fox in 24 US-Staaten und dort in 8630 Städten zu empfangen. Die beiden Forscher verglichen die Wahlergebnisse in diesen Städten für die Jahre 1996 und 2000 mit Städten, in denen Fox nicht zu empfangen ist. Anzunehmen gewesen wäre, dass eine einflussreiche, konservative Positionen unterstützende Fox-Berichterstattung Kandidaten der Republikanischen Partei besonders geholfen hätte. Doch dies war nicht der Fall: In Fox-Städten gewannen Republikaner in den vier Jahren sechs Prozentpunkte, in Nicht-Fox-Städten sieben Prozentpunkte. DellaVigna und Kaplan sahen ihre Ergebnisse für die Präsidentschaftswahlen auch bei anderen Wahlen bestätigt. Wer Fox schaut, wählt nicht eher republikanische Senatoren und Abgeordnete, als Wähler, die Fox nicht schauen. Die beiden Wirtschaftswissenschaftler sind sich unsicher, warum dies so ist. Eine einseitige Berichterstattung bestätigt die bereits vorhandene politische Haltung des Wählers, lautet ein Erklärungsversuch. Ein anderer: Die Zuschauer filtern politisch einseitige Berichte. Da Fox für sein explizit erzkonservatives Programm bekannt ist, ist auch der Filter besonders kräftig eingestellt. Für andere Sender gilt dies in abgeschwächter Form. Und da (zumindest die US-amerikanischen) Zuschauer Fernsehnachrichten und Kommentare mehr als Unterhaltung denn als drögen Erkenntnisgewinn betrachten, nehmen sie die Berichterstattung sowieso nicht wirklich ernst, vermuten die Forscher.

Die Studie steht im Netz: http://ist-socrates.berkeley.edu/~ekaplan/