Vielversprechende Verfahren beim 91. Deutscher Röntgenkongress

Ein Schwerpunkt des viertägigen Röntgenkongresses in Berlin ist das Thema Gefäße und Gefäßleiden. Erwartet werden 7000 Teilnehmer, die sich über die neuesten Entwicklungen auf dem Bereich der Röntgendiagnostik, aber auch der röntgenunterstützenden Therapie informieren.

Nach Einschätzung der Röntgenmediziner gehören Gefäßerkrankungen zu den großen Herausforderungen der Medizin in diesem Jahrhundert: Das liegt am Lebenswandel der westlichen Welt mit seiner zuckerreichen Ernährung, aber auch an den gestiegenen Lebenserwartungen. Kongresspräsident Professor Walter Groß-Fengels von Klinikum Hamburg-Harburg:

„Das trifft insbesondere auch auf Gefäßerkrankungen zu. In den nächsten 20 Jahren wird sich die Notwendigkeit verdoppelt haben, dort entsprechend Therapien zu entwickeln. Bei Tumor geht es um einen 20-prozentigen Anstieg.“

Die Röntgenärzte fühlen sich für die Diagnose, aber auch für die Therapie gut gerüstet. Das liegt an den technischen Möglichkeiten, die immer ausgefeilter werden, und deren neueste Entwicklungen auf dem Kongress vorgestellt werden

„Der Trend geht dahin, dass wir in immer weitere periphere Abschnitte des Gefäßsystems vordringen. Die Katheter werden immer kleiner, immer einfacher in der Steuerung, sodass es uns möglich ist, mit einem Katheter bis in dann Hirn vorzugehen und dort im Gehirn eine Gefäßverengung zu behandeln oder auch einen Thombos, einen Blutpfropf, lokal abzusaugen. Das geht natürlich auch in die andere Richtung: Wir können heute mit einem Katheter bis weit in die Peripherie von Arm und Bein vordringen und eine Verengung im Unterschenkelbereich oder auch im Fußbereich behandeln.“

Dabei geht es zum einen darum, Arterienverschlüsse aufzulösen und nachher diese Stelle durch einen Stent, einen Metallkorb, durchlässig zu halten. Zum anderen auch um den Einsatz von Medikamenten, die – aufgetragen auf dem Stent – das erneute Wachstum der Gefäßwände hemmen sollen. Diese Methode wird noch getestet – noch sind nicht alle Studien ausgewertet. Dr. Kai Uwe Wagenhofer vom Klinikum Hamburg-Harburg:

„Das waren zuerst sehr ermutigend Ergebnisse. Sie sind inzwischen etwas relativiert, haben aber immer noch ihrer Bedeutung.

Als ganz neuen Aspekt hat man diese Medikamente nicht mehr auf Stents, sondern auf Ballons beschichtet und gibt diese Medikamente quasi ohne dieses Metallgerüst an das erkrankte Gefäß ab. Das hat Vorteile, weil dann wahrscheinlich dieser Fremdkörperreiz entfällt und die ersten Ergebnisse sind noch ermutigender als mit den Stents, muss man sagen. Und das halte ich für einen wichtigen Aspekt, dass man auf der Schiene weitermachen und immer nach Innovationen suchen, um endovaskulär, sprich für den Patienten ohne Schnitt, ohne Operation, ohne Vollnarkose diese Gefäße behandelt zu können.“

Eine weitere Methode der Interventionellen Radiologie hat die Universität Göttingen entwickelt. Mit feinsten Kathetern führen die Ärzte dabei eine Art Staubsauger in das Hirn von Schlaganfall-Patienten ein, um dort Blutgerinnsel zu entfernen. Mit einem Unterdruck von 680 Millibar, das ist etwa doppelt soviel wie bei einem Staubsauger für den Haushalt, wird das Gerinnsel dann beseitigt. Den Erfolg sieht der Arzt sofort auf dem Bildschirm. Wenn sich das geöffnete Gefäß durch das mit Kontrastmittel angereichert Blut wieder dunkel färbt, ist der Eingriff gelungen. Das Verfahren kann bei bestimmten Schlaganfallpatienten angewandt werden. Bei der Studie der Uni Göttingen führte es bei dreiviertel der Patienten zu einem Erfolg. Ähnlich einem Schweizer Offiziersmesser kennen die Köpfe der Katheter gewechselt werden – neben dem Mini-Staubsauger aus Göttingen gibt es auch andere Werkzeuge, mit denen Gefäßchirurgie und Radiologen durch kleine Öffnungen in den menschlichen Körper eindringen. Aber es geht auch um chemische Stoff – nicht nur Medikamente – die sich an der Spitze eines Katheters direkt an den Krankheitsherd fahren lassen. Professor Walter Groß-Fengels:

„Wir bringen dort spezielle Materialien in den Körper ein, um zum Beispiel Lebertumore zu behandeln. Wir trocknen quasi von innen den Tumor aus, indem wir mit hoher Konzentration Chemikalien einbringen. Aber das reicht häufig nicht aus, sondern wir kombinieren es mit der Applikation von sogenannten Mikropartikeln, die zu einem Verschluss der Gefäße führen. Denn es ist häufig so, das Tumore oft zu einer Gefäßneubildung führen und wenn man es schafft, diese Gefäßneubildung zu unterbinden, dann kann man es schaffen, den Tumor in seinem Wachstum zu verhindern. Da gibt es neue Entwicklungen, die sind sehr vielversprechend.“